Politik : General: Kompletter Krieg droht

Weiter Debatte über militärische Intervention.

London/Damaskus - Eine militärische Intervention in Syrien birgt nach Ansicht des Oberbefehlshabers der britischen Streitkräfte das Risiko eines „kompletten Krieges“ in sich. Eine Militäroperation als Antwort auf den möglichen Einsatz chemischer Waffen in Syrien müsste „auf hohem Niveau“ erfolgen, wenn sie Erfolgschancen haben solle, wurde General David Richards in der „Sunday Times“ zitiert. Selbst die Schaffung einer humanitären Sicherheitszone würde – ohne die Kooperation der syrischen Machthaber – eine großangelegte Militäroperation erfordern. Auch eine Flugverbotszone sei wegen der vergleichsweise schlagkräftigen syrischen Flugabwehr schwer durchzusetzen. Die Äußerungen machte Richards nach Angaben der Zeitung bei internen Beratungen, aus denen Regierungsquellen berichteten.

Die syrische Opposition hatte nach dem neuerlichen Verdacht des Chemiewaffeneinsatzes durch die syrische Armee die USA zu einer begrenzten militärischen Unterstützung aufgefordert. Nötig sei die Einrichtung einer Flugverbotszone, sagte der syrische Oppositionsführer Ghassan Hitto dem amerikanischen TV-Sender CBS in der Nacht auf Samstag. Zudem seien einzelne, gezielte Luftschläge und die Schaffung einer sicheren Passage für die Lieferung von Hilfsmitteln an die Bevölkerung erforderlich. Unterstützung durch ausländische Bodentruppen bräuchten die Aufständischen nicht. US-Präsident Barack Obama hatte dem syrischen Präsidenten Baschar al Assad mit nicht näher beschriebenen Konsequenzen gedroht, falls er die „rote Linie“ überschreite und chemische Waffen einsetze.

Ranghohe US-Regierungsmitglieder hatten es am Donnerstag als wahrscheinlich bezeichnet, dass in Syrien Chemiewaffen „in geringen Mengen“ eingesetzt worden seien. Auch der britische Geheimdienst sprach von „begrenzten, aber überzeugenden Hinweisen“. Obama hatte eine „eingehende Prüfung“ der Informationen angekündigt und zur Besonnenheit gemahnt. Das syrische Regime streitet alle Vorwürfe ab. Die russische Regierung – letzter Unterstützer Assads – warnte am Wochenende vor einem Militäreinsatz. Die Informationen dürften nicht als „Vorwand“ für eine Intervention in Syrien genutzt werden, sagte Vize-Außenminister Michail Bogdanow.

Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einem militärischen Eingreifen. „Wir müssen darauf achten, dass aus dem Krieg in Syrien kein Flächenbrand entsteht, der die Nachbarländer Türkei, Irak, Jordanien und Libanon anzündet und zu einer ernsten Gefahr auch für unser Partnerland Israel wird“, sagte Westerwelle der „Bild am Sonntag“. dpa/AFP/rtr

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