Politik : Generalsekretär Wadephul gilt als künftiger Parteiführer im Norden

Karsten Plog

Während Rot und Grün in Kiel die Fortsetzung ihres Regierungsbündnisses besiegelt haben, bereitet sich die CDU in der Opposition auf einen Generationswechsel vor. Als Favorit für die Parteiführung gilt der 37 Jahre alte Generalsekretär Johann Wadephul, im Landtagswahlkampf ein enger Mitstreiter von Spitzenkandidat Volker Rühe. Bisher hat allerdings lediglich der Europaabgeordnete Reimer Böge (48), ein Anhänger des noch amtierenden Landesvorsitzenden Peter Kurt Würzbach, seine Kandidatur angemeldet. Die neue Spitzenkraft soll am 15. Juli auf einem Sonderparteitag in Neumünster gewählt werden. Würzbach (62), Oberstleutnant a.D. und Repräsentant der Rechten in der Partei, will seine eigentlich noch bis in das nächste Jahr währende Amtszeit vorzeitig abbrechen.

Der Druck auf den Landesvorsitzenden, sich möglichst bald aus der Parteiführung zurückzuziehen, hatte gleich nach der Niederlage bei der Landtagswahl vom 27. Februar eingesetzt, wurde aber zunächst von dem Krach zwischen Würzbach und Rühe in den Schatten gestellt. Dieser Streit war bundesweit noch am Wahlabend in aller Öffentlichkeit vor den Fernsehkameras deutlich geworden: Während Rühe die 35 Prozent wie einen Sieg feierte, zog Würzbach gleichzeitig mit Leichenbittermiene durch die Flure des Landeshauses. Allen, die es hören und filmen wollten, verkündete er, das Ergebnis sei eine Niederlage.

Auf einer Sitzung des Landesausschusses Anfang März gerieten die beiden noch einmal heftig aneinander. Würzbach warf Rühe Fehler im Wahlkampf und einen unangemessenen "Befehlston" vor, Rühe beklagte sich über mangelnde Unterstützung durch den Vorsitzenden und machte klar, dass er "aus heutiger Sicht" für sich keine Zukunft mehr in Kiel sehe.

Wadephul galt von Beginn an als erste Wahl, obwohl er bisher noch nicht einmal bestätigt hat, dass er auch antreten will. Dazu hat er noch Zeit bis Ende April. Reimer Böge hob sofort die Hand, als Würzbach seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt hatte. Für viele ist Böge "Würzbachs Kandidat", obwohl er fordert, sowohl Würzbach wie auch Rühe sollten sich nicht mehr um Spitzenämter in der Partei bewerben. Böge werden indes allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Rühe übrigens wird nicht kandidieren. Die von ihm geforderte "Erneuerung" an der Spitze wird ohne den wieder in Berlin aktiven Ex-Verteidigungsminister stattfinden: "Das geht nicht. Die schleswig-holsteinische CDU muss das selbst machen."

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