Generationenkonflikt : Jungpolitiker kritisieren höhere Renten

Die Verständigung der Koalition auf eine Rentenerhöhung um 1,1 Prozent zum Juli stößt auf den Protest junger Bundestagsabgeordneter. Sie warnten am Wochenende vor einer weiteren Belastung kommender Generationen und kündigten Widerstand an.

Rainer Woratschka

BerlinDabei kam Kritik nicht nur aus der Opposition. Auch der CDU-Abgeordnete Jens Spahn (27) etwa nannte das Aussetzen des Riesterfaktors einen Bruch des Rentenkompromisses. Er finde „dieses Gefummel“ kritikwürdig, sagte er dem „Kölner Stadtanzeiger“. „Den Rentnern von heute mag es helfen. Aber die junge Generation kostet das eine Menge Geld.“ Die Pläne widersprächen „dem bisherigen richtigen Kurs der großen Koalition, das Rentensystem langfristig zu stabilisieren“, betonte der CSU-Abgeordnete und Chef der Jungen Union Bayerns, Stefan Müller (32). Gefüllte Rentenkassen seien „kein Anlass, eine aus guten Gründen formulierte Politik zu ändern“. Die Entwicklung von Löhnen und Gehältern müsse sich in den Renten widerspiegeln. Alles andere wäre „unverantwortlich“.

Der FDP-Politiker Daniel Bahr (31) nannte es enttäuschend, dass die Regierung von der festgelegten Rentenformel abrücke, um den Rentnern „sozusagen eine Dividendenausschüttung zu spendieren“. Das Manöver sei ein durchsichtiges Wahlgeschenk, sagte er dem Tagesspiegel. Es gehe, wie bereits die Pflegereform, zulasten der künftigen Generation. Wenn man sich einmal für eine Rentenformel entschieden habe, müsse diese auch verlässlich gelten. Im Übrigen litten die Rentner stärker unter der Mehrwertsteuererhöhung als unter dem Riesterfaktor. Die Grünen-Abgeordnete Anna Lührmann (24) kritisierte, dass die Rentenerhöhung „einseitig zulasten der Arbeitnehmer“ gehe. Erst im vergangenen Jahr sei der Rentenbeitrag von 19,5 auf 19,9 Punkte angehoben worden, sagte sie der „Frankfurter Rundschau“. „Daraus bezahlt die Koalition nun die Rentenerhöhung.“ Rainer Woratschka

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