Generationenwechsel : Grüne sollen jünger werden

Nach dem Abgang: Der Ex-Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer plädiert für einen Generationswechsel an der Parteispitze - ihn selbst zieht es nach Europa.

Hans Monath
Reinhard Bütikofer
Reinhard Bütikofer will ins Europaparlament. -Foto: ddp

Berlin Die wichtigste Nachricht ihrer Pressekonferenz enthüllten die beiden Parteichefs der Grünen erst ganz zum Schluss. Reinhard Bütikofer nahm sich die Zeit, die gesteuerten Präsidentenwahlen in Russland zu kritisieren. Dann pries Claudia Roth noch das Grünen-Ergebnis bei den bayerischen Kommunalwahlen, bevor die beiden Vorsitzenden als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009 Fraktionschefin Renate Künast und Fraktionsvize Jürgen Trittin empfahlen. Ansatzlos verkündete der 55-jährige Grünen-Politiker dann, dass er sich für das Europaparlament bewerben und deshalb auf dem Grünen-Parteitag im Herbst nicht mehr als Vorsitzender antreten wolle: „Ich werde nach zehn Jahren im Bundesvorstand im November nicht erneut kandidieren.“

Während die Einigung von Künast und Trittin auf eine gemeinsame Spitzenkandidatur seit Tagen durchgesickert war, kam der Schritt Bütikofers überraschend. Zwar hatte der frühere Bundesgeschäftsführer der Grünen (1998 bis 2002) seine Europabegeisterung in den vergangenen Monaten offensiv zur Schau gestellt. So erläuterte er Journalisten gern eine Landkarte, auf dem die Stationen seiner EU- Erkundigungen bunt markiert sind. Doch galt es in Parteikreisen als offen, ob der Realpolitiker als EU-Parlamentarier das Parteiamt weiter führen wollte. Offenbar hatte er nur einen engen Kreis von Mitstreitern in den Plan eingeweiht, nach sechs Jahren an der Parteispitze neue Aufgaben zu suchen.

Doch der Verzicht der Realpolitikerin Renate Künast auf eine alleinige Spitzenkandidatur und ihr Arrangement mit dem Vertreter der Parteilinken, Trittin, hatten schon Ende vergangener Woche die Frage aufgeworfen, wer nach der nächsten Vorsitzendenwahl im Herbst die Partei führen werde. Zwar steht die Bestätigung von Künast und Trittin unter dem Vorbehalt, dass der Parteitag diese Lösung akzeptiert. Die einstimmige Billigung des Wahlverfahrens und Personalvorschlags durch den Parteirat mit seinen mehr als einem Dutzend Mitglieder unterschiedlicher politischer Orientierung gilt aber als wichtige Vorentscheidung, die Bestand haben dürfte.

Die Parteilinke Claudia Roth hatte schon nach Bekanntwerden der Künast- Trittin-Lösung am Freitag erklärt, dass sie nach vier Jahren weiter an der Spitze der Partei wirken wolle. Bütikofer musste deshalb damit rechnen, dass auch er am Montag nach seinen eigenen Plänen gefragt würde.

Während Roth neben ihm stand, plädierte Bütikofer indirekt dafür, die Neuwahl an der Parteispitze mit einem Generationswechsel zu verbinden. „Es ist richtig, ein anderes, junges Gesicht beim Bundestagswahlkampf nach vorne zu stellen und nicht erst danach“, sagte er.

Namen möglicher Kandidaten für seine Nachfolge wollte Bütikofer nicht nennen. Er machte aber deutlich, dass er schon Anwärter im Kopf habe. Als ein möglicher Nachfolger gilt der hessische Grünen-Chef Tarek Al-Wazir. Für ihn komme eine Entscheidung über diesen Schritt aber nur infrage, falls er nicht in Hessen Minister werde, heißt es.

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