Politik : Genetische Patente: Kampf gegen Bio-Piraten

Fabian Leber

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace und das katholische Hilfswerk Misereor haben ein gemeinsames Vorgehen gegen "Bio-Piraten" angekündigt. Beim Europäischen Patentamt in München sei Einspruch gegen die Patentierung einer ölreichen Maispflanze durch den Chemiekonzern DuPont eingelegt worden, erklärte Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens. Die Maissorte sei keine Erfindung DuPonts, sondern werde seit Jahrhunderten in Mittel- und Südamerika angebaut. "Genauso kann jemand behaupten, das Rad neu erfunden zu haben und Rechte beanspruchen vom Rollschuh bis zum Auto", so Behrens. DuPont habe kein Anrecht auf das Patent, zumal die Herkunftsländer nicht um Zustimmung gefragt worden seien.

"Diese Patentanmeldung steckt voller Lug und Trug", sagte Christoph Then von Greenpeace. DuPont habe sich eines "simplen technischen Tricks" bedient: "Per Zufallsprinzip wurde Mais so lange chemisch behandelt, bis er den gewünschten Ölgehalt aufwies." So habe DuPont die Maiszüchtung als eigenen Erfolg dargestellt. Nach Greenpeace-Recherchen wurde die vermeintlich neue Sorte jedoch bereits 1954 erstmals wissenschaftlich dokumentiert. Then rechnet sich mit dieser Begründung gute Chancen aus, das Patent zu Fall zu bringen.

"Sollte das Patent nicht fallen, könnten dies die Bauern weltweit durch Lizenzgebühren zu spüren bekommen", sagte Martin Bröckelmann-Simon von Misereor. Die Landwirte würden um ihre eigenen Züchtungserfolge gebracht. Das Patent beruhe auf einer "gezielten Ausnutzung der biologischen Vielfalt und der kulturellen Leistungen anderer", kritisierten die beiden Organisationen. Sie befürchten Behinderungen bei der weiteren Pflanzenzüchtung, Handelsbeschränkungen und weitreichende Abhängigkeiten, wenn der Mais unter die Verfügungsgewalt von DuPont fällt.

Im August 2000 hatte DuPont vom Europäischen Patentamt das Patent EP 744 888 erhalten, das alle Maispflanzen mit einem hohen Ölanteil umfasst. Die neunmonatige Einspruchsfrist endet an diesem Mittwoch. Das Patent schützt nicht ein bestimmtes Produktionsverfahren von DuPont. Patentiert wurde vielmehr der höhere Ölgehalt des Maises. Der Konzern sicherte sich damit auch Rechtsansprüche auf Maispflanzen, die noch gar nicht bekannt sind.

Bei seiner Entscheidung für DuPont hatte sich das Patentamt auf die noch nicht verabschiedete EU-Richtlinie zu Biopatenten gestützt. Sie erlaubt weitreichende Patente auf Leben. Greenpeace und Misereor forderten nun den Bundestag auf, die Richtlinie im Juni abzulehnen und so Neuverhandlungen in Brüssel durchzusetzen.

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