Politik : Genforschung: Die Genom-Daten bleiben frei

Robert Birnbaum

Wenn nichts mehr dazwischen kommt, wird das Kabinett in den nächsten Wochen die Umsetzung der europäischen Biopatent-Richtlinie auf den Weg bringen. Es geht um eine Frage, die nicht nur für Wirtschaft und Forschung interessant ist, sondern auch Patienten betreffen könnte: Dürfen Firmen ihre Erkenntnisse über menschliche Gene patentieren lassen?

Die EU-Kommission hat dazu eine höchst umstrittene Richtlinie erlassen. Hierzulande kamen die Bedenken vor allem von Forschern und Industrie: Sie befürchteten, dass die Patent-Richtlinie die Erforschung der menschlichen Gene und die Entwicklung von Gen-Therapien eher behindert als erleichtert. Denn, so die Sorge, wenn ein Forscherteam ein bestimmtes Gen als verantwortlich für eine bestimmte Krankheit identifiziert und sich den betreffenden Genabschnitt patentieren lässt, dann blockiert das faktisch jede weitere Forschungsarbeit.

Die Bausteine des Lebens sind aber zu komplex, als dass sie nur für eine Aufgabe verantwortlich wären. Bei einer Expertenrunde mit Justizministerin Däubler-Gmelin und Forschungsministerin Bulmahn machten Fachleute das am Mittwoch noch einmal deutlich. Dem soll Rechnung getragen werden: Patentiert werden kann demnach zwar eine bestimmte Funktion eines Gens und ein darauf beruhendes bestimmtes therapeutisches Verfahren, aber nicht der Genomabschnitt selbst. Er steht weiterer Erforschung frei. Die grüne Gesundheitsministerin Fischer befürchtet dennoch weiterhin, dass Therapie-Monopole zu Lasten der Patienten entstehen. In ihrem Haus gilt das Thema Biopatent-Richtlinie noch nicht als ein für allemal erledigt.

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