Politik : Genmanipulation: "Im Zweifel gegen den medizinischen Fortschritt"

Kirchen und Politiker haben sich über die Weihnachtsfeiertage mit Nachdruck gegen das Klonen von menschlichen Embryos ausgesprochen, auch wenn dies den medizinischen Fortschritt behindern sollte. Allerdings gab es auch Stimmen, die nach der Entscheidung des britischen Parlaments, das Klonen von bis zu 14 Tage alten Embryos zu Forschungszwecken zuzulassen, vor voreiligen Schlüssen warnten.

In seiner Weihnachtspredigt im Mainzer Dom sah der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, die menschliche Würde derzeit vor allem am Anfang und am Ende des Lebens bedroht. Im Deutschlandfunk bezeichnete er den britischen Vorstoß als "verhängnisvolle Entscheidung". Die Gesellschaft sollte den Mut haben, "mal Nachteile in Kauf zu nehmen, um bei dieser rasanten Entwicklung einen Pflock einzurammen." Auch der Berliner evangelische Bischof Wolfgang Huber sprach sich gegen das therapeutische Klonen von Embryos aus. Mit den neuen Entwicklungen in der Genforschung werde das Bild von einem Menschen entworfen, der ohne Makel sei, sagte er in seiner Weihnachtspredigt in Berlin. Damit würden wünschenswerte Fortschritte bei der Heilung schwerer Krankheiten in einen "verhängnisvollen Zusammenhang" gerückt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunnar Uldall wandte sich gegen "Schnellschüsse" zum Klonverbot von Embryos. Alle ethischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte müssten abgewogen werden, sagte er in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es gebe auch nach dem britischen Beschluss für Deutschland keine Notwendigkeit, sich sofort zu entscheiden. Denn die mit der Embryo-Klonung verbundenen medizinischen Vorhaben hätten alle eine lange Vorlaufzeit, Zeitdruck bestehe daher nicht.

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