Politik : Genossen-Liebe

Matthias Meisner

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Bloß nicht sozialdemokratisch werden – lange galt das bei vielen Genossen der PDS als Leitsatz. Schon bevor sich die SPD in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin auf Regierungskoalitionen mit der PDS einließ, drängte die sozialistische Basis ihre Führungsleute, stets klar die Unterschiede zur Sozialdemokratie zu betonen. Sozusagen unverwechselbar links zu sein. Doch dieser Tage flatterte eine Weihnachtskarte aus dem PDS-Parteivorstand ins Büro, die deutlich macht: Noch immer arbeiten sich die Sozialisten an der Sozialdemokratie ab. Ausgerechnet ein Spruch von Willy Brandt ziert die Post aus dem Berliner Karl-Liebknecht-Haus: „Das deutsche Volk verdient es, mit weniger Gerissenheit und mehr Liebe regiert zu werden.“

Ob denn nun Gregor Gysi oder Lothar Bisky tatsächlich mehr Liebe ins politische Geschäft bringen würden? So explizit verspricht das die PDS nicht. Und im Text der Karte wird zugegeben, dass es auch ein ordentliches Maß an Gerissenheit geben müsse, damit es 2004 mit der Partei wieder aufwärts geht.

Die PDS-Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch jedenfalls sieht sich schon fit für die anstehenden Auseinandersetzungen. Auf ihrem Gruß zum Jahreswechsel steht als Motto für 2004 „Keine Angst vor großen Tieren“. Abgebildet ist die Abgeordnete zusammen mit einem Elefanten aus dem Tierpark Berlin. Wer die Frage beantworten kann, ob der Dickhäuter Gerd, Angela oder Mafuta heißt, kann eine Jahreskarte für den Tierpark gewinnen. Einen Haken hat die Sache: Der Elefant sieht auf den Fotos sehr liebevoll aus, aber gar nicht gerissen. Wäre nicht ein Bild mit, beispielsweise, einem Schakal überzeugender?

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