Politik : Gentechnik: "Das war so nicht gewollt"

Rainer Woratschka

Mit der Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist bei der Union auch das Thema Spätabtreibungen wieder in den Mittelpunkt gerückt. Die Fraktion habe dazu eine Arbeitsgruppe gegründet und werde noch vor der Sommerpause konkrete Vorschläge vorlegen, sagte die stellvertretende Fraktionschefin Maria Böhmer am Dienstag in Berlin. Allerdings stellte sie klar: "Es wird keine neue Diskussion um den Paragraphen 218 geben."

Nach der Gentechnik-Debatte im CDU-Vorstand hatte Parteivize Jürgen Rüttgers betont, dass bei der bereits praktizierten Pränataldiagnostik (PND), wie etwa bei Fruchtwasseruntersuchungen, Selektion noch in viel späterem Stadium betrieben werde. Bei der PID erfolgt die genetische Untersuchung vor der Einpflanzung in den Mutterleib, bei der PND während der Schwangerschaft.

Die umstrittene PID unterscheide sich zwar deutlich von den Fragen eines Schwangerschaftskonflikts, sagte Böhmer. Doch auch bei diesen Tests stehe zu befürchten, was sich bei der Pränataldiagnostik bestätigt habe: dass die ursprünglich eng gezogenen Anwendungsgrenzen immer stärker ausgeweitet werden. Der PND unterzögen sich längst nicht mehr nur, wie anfangs beabsichtigt, Spätgebärende ab 39 Jahren, konkretisierte die CDU-Politikerin. Ärzte legten die Untersuchung inzwischen auch Frauen unter 35 ans Herz, das Verfahren entwickle sich immer mehr zu einem allgemeinen "Screening". Und wenn Behinderungen diagnostiziert würden, entschieden sich viele Eltern noch sehr spät zur Abtreibung. "Beim Down-Syndrom etwa sind es fast 100 Prozent."

Diese Abbrüche seien aber vom Gesetzgeber keineswegs gewollt, so Bäumer. Offenbar sei in der Öffentlichkeit ein falscher Eindruck entstanden. Allein wegen des Verdachts einer Erbkrankheit dürfe ein Embryo nach dem dritten Monat nicht abgetrieben werden. Kriterium für die medizinische Indikation im Strafrechts-Paragrafen 218 sei einzig eine Lebensgefährdung der Mutter.

Dennoch stelle man die Vorgeburtsdiagnostik nicht generell in Frage, versicherte Böhmer. Schließlich würden diese Tests, anders als bei der umstrittenen PID, auch zu therapeutischen Zwecken genutzt. Es gebe aber "Defizite" in der Anwendung. Etwa im Haftungsrecht für Ärzte: BGH-Urteile, die behinderte Kinder als "Schaden" definierten, bezeichnete die CDU-Politikerin als unerträglich. Und neben ärztlicher Betreuung sei vor einer Spätabtreibung dringend auch sozialer und genetischer Rat vonnöten. Böhmer: "Es geht darum, dass wir Eltern in ihrer Entscheidung für ein behindertes Kind bestärken."

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