Politik : Gentechnik-Debatte: Krista Sager im Interview: "Die SPD steht vor einer Belastungsprobe"

Im Düsseldorfer Landtag haben SPD,FDP gem

Krista Sager (47) ist Wissenschaftssenatorin in Hamburg. Die Grünen-Politikerin, Ex-Bundesvorstandssprecherin ihrer Partei, sitzt im Senat der Max-Planck-Gesellschaft.

Im Düsseldorfer Landtag haben SPD und FDP gemeinsam für den Plan von Ministerpräsident Clement gestimmt, Stammzellen aus Israel zu importieren. Fühlen sie sich an den Rand gedrängt?

Nein. Da wurde ein unsinniger Provokationskurs gefahren. Clement hat sowohl die Grünen als auch seine eigenen Genossen provoziert. Die FDP hat zusätzlich angestachelt. Aber dieser Kurs wird vor allem die SPD vor eine enorme Belastungsprobe stellen. Tatsache ist doch, dass sehr viele Mitglieder und Anhänger der SPD die Verwertung von Embryonen zu Forschungszwecken ablehnen.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Warum sind die Grünen gegen den Stammzellen-Import?

Wenn wir diese Stammzellen importieren, ist auch das eine Befürwortung der Herstellung und Verwertung von Embryonen für andere Zwecke. Das kann man drehen und wenden wie man will. Wer also die embryonale Stammzellenforschung hierzulande ablehnt, der muss auch den Import ablehnen.

Stammzellen sind aber keine Embryonen, aus ihnen kann kein Mensch mehr werden.

Sie werden aber aus Embryonen gewonnen. Der entscheidende Paradigmenwechsel tritt ein, wenn ich sage: Ich akzeptiere, dass Embryonen hergestellt werden, um sie für andere Zwecke zu verwerten. Wenn man diesen Paradigmenwechsel einmal vollzogen hat, dann wird man nur noch schwer Argumente finden, um das Klonen abzulehnen.

Die FDP hat die Import-Frage genutzt, um sich zwischen SPD und Grüne zu drängen. Sehen Sie darin keine Gefahr für ihre Partei?

Nein, gefährlich wird das nur für die SPD, den Sozialdemokraten droht die innere Spaltung. Denn innerhalb der SPD ist das Thema Stammzellen-Forschung höchst umstritten. Die Grünen haben hier eine sehr geschlossene Position.

Die FDP ist auch geschlossen.

Sie wird aber keine Chance haben, sich mit ihrer Haltung durchzusetzen. Gesamtgesellschaftlich ist der sehr rabiate Kurs der FDP nicht mehr als eine Minderheitenposition. Das zeigen auch die Umfragen. Ich finde es im übrigen erschreckend, wie wenig sich die Liberalen mit ethischen und moralischen Aspekten auseinandersetzen. Man kann ja zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Aber man darf Ethik und Moral nicht einfach so wegwischen mit dem Hinweis auf wirtschaftliche Erwartungen.

Ein herber Vorwurf.

Die FDP hat offenbar gar kein Verständnis dafür, dass individuelle Selbstbestimmung in einem angemessenen Verhältnis zur gesellschaftlichen Verantwortung stehen muss.

Fehlt es Clement in dieser Frage auch an Ethik und Moral?

Clement gehört offenbar auch eher zu den Nassforschen in der Gesellschaft. Ich glaube, es ist für uns alle schädlich, wenn sich dieses Nassforsche in Deutschland zunehmend verbreitet. Ich glaube, dass einzelne Personen dieses Feld zur Zeit nutzen wollen, um sich als besonders windschnittig zu positionieren. Aber diese Personen werden sich nicht durchsetzen.

Clement und die FDP argumentieren unter anderem mit dem Recht auf Heilung. Ist das unmoralisch?

Natürlich ist das ein ernstes Argument. Es kommt ja auch viel aus der Forschung, womit Heilungschancen verbessert werden. Trotzdem werden wir nicht drumherum kommen, uns selber Grenzen zu setzen.

Große Teile von CDU und CSU vertreten hier die gleiche Position wie die Grünen. Ist die Union nicht der natürliche Bündnispartner der Grünen?

In der Tat gibt es große Berührungspunkte zwischen der bewahrenden Position der Grünen und der konservativen Haltung der CDU. Aber diese Gemeinsamkeit reicht nicht aus für reale Koalitionen.

Die Union will vor der Sommerpause einen Appell an die deutschen Forscher in den Bundestag einbringen, vorerst auf den Import embryonaler Stammzellen zu verzichten. Werden Sie dem zustimmen?

Darüber wird noch diskutiert. Wir haben aber ein großes Interesse daran, dass wir nicht jetzt schon durch Importe Entscheidungen fällen. Wir wollen das Embryonenschutzgesetz nicht aufweichen.

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