Politik : Gentechnik: "Es gibt nach wie vor große Vorbehalte"

Matthias Meisner

Umweltminister Jürgen Trittin bewegt sich ganz auf Parteilinie. Zum Nikolaustag gab der Grünen-Politiker den Werbeonkel und Test-Esser für das "Fair-Handelshaus" gepa, das die "erste garantiert gentechnikfreie Schokolade Deutschlands" auf den Markt bringt. "Ohne Gentechnik" steht auf dem Produkt. Und Trittin sagte: "Der Verbraucher hat ein Recht darauf zu wissen, was in seinen Lebensmitteln enthalten ist und was nicht."

So steht es auch in den Eckpunkten für eine Gentechnik-Politik der Grünen-Bundestagsfraktion, die seit dieser Woche den Abgeordneten vorliegen: Ausdrücklich unterstützen die Grünen den Aufbau eines lückenlosen Kennzeichnungssystems auf allen Stufen der Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei der "grünen Gentechnik", dem Einsatz in der Landwirtschaft, gebe es "nach wie vor große Vorbehalte", sagt Reinhard Loske, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion, dem Tagesspiegel.

Loske zählt zu den Mitautoren des Thesenpapiers, das noch auf einer der nächsten Fraktionssitzungen zur formellen Positionsbestimmung der Grünen erhoben werden soll - neben Fraktionschef Rezzo Schlauch und den Abgeordneten Hans-Josef Fell, Winfried Hermann, Ulrike Höfken und Monika Knoche. Politiker des linken wie des realpolitischen Flügels sind das, und Loske ist es wichtig, dass die grünen-interne Debatte "nicht entlang der klassischen Linien" verläuft. Mit gewissem Stolz stellt der Umweltpolitiker fest, dass seine Fraktion den Sozialdemokraten zuvorkommt, die bisher noch keine einheitliche Position zur Gentechnik festgelegt haben. Auch die Oppositionsparteien im Bundestag sind bisher zurückhaltend geblieben - obwohl dort die Erwartung wächst, dass Gentechnologie zu einem der Hauptthemen im Bundestagswahlkampf werden könnte.

Weg vom "strikten Nein" zur Gentechnik, das über Jahre klar formuliertes Ziel grüner Programme war - mit diesem Ziel gehen die Autoren an die Öffentlichkeit, hin zu einer "differenzierten Position". Noch auf der letzten Fraktionsklausur prallten deshalb auch die Meinungen aufeinander. Nicht einfach sei der Weg zum Konsens gewesen, räumt Loske ein: "Wir haben uns gequält." Mit ihren Eckpunkten hat die Grünen-Bundestagsfraktion vor allem die Verbraucher mit ihren Ängsten und Sorgen im Blick, denen mit "möglichst viel Transparenz" begegnet werden soll. Daneben sollen aber auch junge, aufstrebende Gentechnik-Unternehmen gefördert werden. Er hoffe, dass dort "möglichst viel wächst und gedeiht", sagt Loske. Und dass sich nicht die großen Unternehmen "alles unter den Nagel reißen".

Vor allem im Bereich der "roten Gentechnik", dem Einsatz in der Medizin, werden sich die Grünen absehbar dem Fortschritt öffnen - auf ein "realistisches Maß", wie Loske versichert. Gerade in der Gesundheitspolitik gebe es "nicht illegitime Wünsche und Hoffnungen", sagt der Abgeordnete. Doch so sehr der Wunsch nach Gesundheit gerechtfertigt sei, so sehr müsse der Wunsch nach Vollkommenheit des Menschen ausgeschlagen werden. "Alle, die sich aus religiösen und ethischen Prinzipien heraus mit dieser Frage auseinandersetzen, behalten ins uns einen guten Partner."

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