Politik : Gentechnik: Frankreich will therapeutisches Klonen verbieten

mkl

Die französische Regierung will therapeutisches Klonen selbst unter strengen Auflagen nicht erlauben. Sie strich überraschend den Begriff "therapeutisches Klonen" aus dem Entwurf zur Reform der Bioethik-Gesetze. Der Ministerrat beriet am Mittwoch über den Entwurf. Danach soll der Gesetzestext nach zweijähriger Debatte offiziell präsentiert werden. Das Parlament wird sich frühestens Anfang 2002, nach den Präsidentschaftswahlen, damit befassen. Der Staatsrat, das höchste Verwaltungsgericht, hatte sich vor einer Woche negativ zum therapeutischen Klonen geäußert. Das Beratungsorgan prüft Gesetzentwürfe vor der Beratung im Ministerrat. Die Entscheidung des etwa 200-köpfigen Gremiums fiel mit einer Stimme Mehrheit knapp aus.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik In Großbritannien ist es seit kurzem erlaubt, menschliche Embryonen zu reproduzieren, um Therapien für bisher unheilbare Krankheiten zu finden. Als die französische Regierung den Gesetzentwurf im November des vergangenen Jahres erstmals vorstellte, war sie sich der Risiken einer Entscheidung zugunsten dieser Technik durchaus bewusst. Premierminister Lionel Jospin versicherte daher, dass die beim therapeutischen Klonen erzeugten Embryonen nicht zu Zwecken der Reproduktion genutzt werden dürften. Jospin betonte sogar, dass das Klonen menschlicher Embryonen in Frankreich "strikt verboten" sein werde. Dieses Argument überzeugte die Experten jedoch nicht.

Der Gesetzentwurf wird darüber hinaus entgegen ursprünglichen Plänen auch das Einpflanzen eines Embryos nach dem Tod des Vaters nicht legalisieren. Die Forschung an überzähligen Embryonen ist dagegen immer noch vorgesehen. Das sind diejenigen Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung nicht dazu benötigt werden, eine Schwangerschaft auszulösen.

EU streitet weiter über Bioethik

Brüssel (KNA). In der Europäischen Union (EU) wird es nach Einschätzung des Bioethik-Sprechers der konservativen EVP-Fraktion, Peter Liese (CDU), keine Einigung über strittige Gentechnik-Fragen geben. Weder bei der Präimplantationsdiagnostik (Pid) noch bei der Embryonenforschung sei eine gemeinsame Haltung in Sicht, sagte Liese in Brüssel. Die Meinungsunterschiede in den 15 EU-Staaten seien zu groß, als dass es eine Harmonisierung geben könnte.

"Wir werden damit leben müssen, dass in den einzelnen EU-Staaten unterschiedliche Regelungen getroffen werden", sagte Liese nach einer Anhörung der nationalen Parlamente der EU-Staaten und der Beitrittskandidaten im Humangenetik-Sonderausschuss des Europaparlaments. Ein europaweites Verbot der Pid ist nach Lieses Worten unrealistisch. Lediglich Einzelfragen könnten für die gesamte EU geregelt werden. So könne man sich unter Umständen darauf einigen, dass die Wahl des Geschlechts für ein Kind sowie Eingriffe in die menschliche Keimbahn und das reproduktive Klonen verboten würden. Einigkeit bestehe auch darüber, Versicherungen zu verbieten, Gentests zum Abschluss eines Vertrages zu verlangen.

Liese ist allerdings skeptisch, ob eine Reform der umstrittenen Biopatent-Richtlinie, wie sie von Deutschland gewünscht wird, ein besseres Ergebnis bringen könnte.

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