Politik : Gentechnik: Keine Doppelgänger

Thomas de Padova

Die britische Regierung will das Klonen von Menschen zum Zwecke der Fortpflanzung verbieten. Gesundheitsminister Alan Milburn kündigte am Donnerstag in Newcastle einen entsprechenden Gesetzentwurf innerhalb der nächsten Monate an. Zugleich sollen aber stärker als bisher neue gentechnische Untersuchungsmethoden bei Frauen erprobt werden, um Brustkrebs rechtzeitig erkennen zu können. Milburn sagte, ein Verbot sei nötig, um einen Missbrauch der Klontechnik wirklich verlässlich auszuschließen.

"Der Zeitpunkt für eine solches Verbot ist aufgrund der verrückten Ankündigung eines italienischen Arztes, Menschen klonen zu wollen, nur zu begrüßen", sagte Wolf-Michael Catenhusen, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, dem Tagesspiegel. "Man kann davon ausgehen, dass nun die Chancen für eine europaweite Einigung steigen."

Schon 1996 sei eine Menschenrechtskonvention des Europarates zur Biomedizin verabschiedet worden, in der das reproduktive Klonen ausdrücklich verboten wurde. "Leider haben bisher nur fünf Staaten diese Konvention ratifiziert", sagte Catenhusen. "Weder Großbritannien noch Frankreich oder Deutschland sind darunter." Unter anderem deswegen, weil die Konventionen keine Bestimmungen zum therapeutischen Klonen enthält.

Das "therapeutische Klonen" für medizinische Forschungen ist in Großbritannien seit Januar dieses Jahres erlaubt. Dabei geht es darum, im Labor aus Stammzellen von Embryonen Gewebe oder Organe zu züchten. Es dient nicht der Erzeugung des Doppelgängers eines Kranken, sondern soll vielmehr sicherstellen, dass der Empfänger das für seine Heilung bestimmte Gewebe gut verträgt. Die Entscheidung des britischen Parlaments für das "therapeutische Klonen" hat aber vielerorts die Besorgnis erregt, damit könne auch dem reproduktiven Klonen von Menschen Tür und Tor geöffnet werden.

Vor allem das Klonen verschiedener Tiere hat in der Vergangenheit den Eindruck erweckt, die Technik sei bereits so ausgereift, dass nun bald der erste Menschenklon zu erwarten sei. Ian Wilmut, der Schöpfer des ersten Klon-Schafs "Dolly", bezeichnete dies im Tagesspiegel kürzlich jedoch als falsche Verheißung. Solche Experimente am Menschen würden zu Fehlgeburten, Schwangerschaftsabbrüchen und zu Geburten missgebildeter Kinder führen, sagte der Wissenschaftler.

Doch technische Barrieren, die heute bei den meisten Forschern zu einer Ablehnung des Klonens schon aus rein pragmatischen Gründen führen, könnten in Zukunft fallen. Und mit ihnen möglicherweise auch ethische Bedenken. Daher sei eine baldige europaweite Einigung zum Verbot des reproduktiven Klonens wünschenswert, sagte Catenhusen.

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