Politik : Gentechnik: Klon-Vorhaben stößt auf weltweite Ablehnung

Kerstin Kohlenberg,Clemens Wergin

Kostenlos werde er im November 200 Paaren aus verschiedenen Ländern durch Klonen zu Nachwuchs verhelfen. Das kündigte der italienische Gynäkologe Severino Antinori am Dienstag auf einer Konferenz in Washington an. Die Reaktionen in Europa waren prompt und einhellig: Es wurde eine internationale Konvention gegen das Reproduktive Klonen gefordert. In Italien kündigte der Vizepräsident des italienischen Ärztebundes Schritte gegen Antinori an.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Detlev Ganten, Mitglied des Nationalen Ethikrates verlangte, dass Länder, die sich an eine solche Konvention nicht halten, geächtet werden. Die Pläne des italienischen Frauenarztes wies Ganten als "ethisch-moralisch" unverantwortlich zurück. Menschen zu klonen sei jetzt und in absehbarer Zeit unmöglich. Das Klonen von Menschen sei mit großen Risiken verbunden, die Gefahr von Fehlbildungen sei enorm groß. Bei Experimenten mit Tieren liege die Erfolgsrate bei eins zu 500 oder eins zu 1000. Ganten begrüßte jedoch die öffentliche Diskussion über das Klonen in der Akademie der Wissenschaften in Washington. Umstrittene Ärzte wie Antinori müssten mit seriösen Wissenschaftlern konfrontiert werden.

Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion Maria Böhmer (CDU) forderte, dass sich die Bundesregierung gemeinsam mit den USA für eine generelle internationale Ächtung einsetzten soll. Antinori müssten Grenzen gesetzt werden, sagte sie im Deutschandfunk. Die Vorsitzende der Bioethik-Beratungsgruppe der Europäischen Union, Noel Lenoir, hat das Klonen von Menschen als radikale Änderung des Welt- und Menschenbildes bezeichnet.

Der Präsident der italienischen Ärztevereinigung, Giuseppe Del Barone, hat das italienische Parlament in Sachen Klonen aufgefordert, "endlich eine so delikate Materie zu regeln, und angemessene Sanktionen für die, die gegen ein solches Gesetz verstoßen zu beschließen". Der Vizepräsident der für Antinori zuständigen römischen Sektion des Ärztebundes, Mario Falconi, hat gegenüber der Tageszeitung "Republica" konkrete Schritte gegen den Gynäkologen angekündigt: "Sehr bald wird Professor Antinori aufgefordert, Stellung zu nehmen." Es sei schon ein Verfahren angelaufen wegen früherer Äußerungen, "die im Konflikt mit unserem Wertecodex stehen", sagte Falconi. Der italienische Ärzteverband hat Antinori bereits 1995 verwarnt, als er einem sterilen Priester zu einem Kind verhelfen wollte. Unterdessen hat sich der Streit auch zu einem persönlichen Konflikt zwischen Gesundheitsminister Girolamo Sirchia und Antinori ausgeweitet. Sirchia hatte das Klonen als "inakzeptabel" bezeichnet, weil es "unrealisierbare Hoffnungen" schüre und von einem ethischen und biologischen Standpunkt aus "voller Fallstricke und Gefahren" sei. Antinori hat dem Minister daher eine Klage angedroht und ihm vorgeworfen, er wiegle die Ärztevereinigung auf, ihn aus auszuschließen.

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