Politik : Gentechnik: Schröder: Das Forschen nicht unterlassen

mfk

In der ersten Bundestagsdebatte über die Gentechnik hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen strikte Grenzen ausgesprochen. "Wir haben eine Verantwortung für das, was wir tun. Aber wir haben auch eine Verantwortung für das, was wir unterlassen", sagte er. In der fünfstündigen Debatte wurden besonders die Differenzen in der Union deutlich, vor allem zwischen Fraktionschef Friedrich Merz und Parteichefin Angela Merkel. Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Schröder regte in vorsichtiger Wortwahl an, die in Deutschland vorhandenen überzähligen Embryonen für Forschungszwecke freizugeben. Auch in der Frage der Präimplantationsdiagnostik (PID) nahm er eine freizügigere Position ein als Bundespräsident Johannes Rau und Justizministerin Herta Däubler-Gmelin. Der Kanzler warnte davor, die PID, also Gentests an künstlich im Reagenzglas gezeugten Embryonen, "unter allen Umständen" auszuschließen. Er sprach sich aber gegen die Erzeugung von Embryonen zu Forschungszwecken aus. Das geltende Embryonenschutzgesetz müsse vorerst nicht verändert werden.

Im Gegensatz zu Merz betonte Merkel, "ein radikales Nein" zur PID falle ihr schwer. Es solle vorerst aber keine Entscheidung dazu getroffen werden. "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit." Man solle die Deutsche Forschungsgemeinschaft bitten, auf die Forschung an Embryo-Stammzellen zu verzichten, "bis wir im Bundestag eine Entscheidung getroffen haben".

Aus der sachlichen Debatte ging nicht klar hervor, ob Gentechnik-Befürworter oder -Gegner eine Mehrheit im Parlament besitzen. Deutlich wurde jedoch, dass es in nahezu jeder Partei höchst unterschiedliche Auffassungen gibt. Eine Ausnahme bildete nur die FDP, deren Redner sich einstimmig für PID und Stammzellenforschung aussprachen. Bei der Diskussion um den Nationalen Ethikrat erntete der Kanzler scharfe Kritik von der Opposition. Merz sagte, das von Schröder eingerichteten Gremium sei "eine Zumutung für den Deutschen Bundestag". . Schröder bekräftigte, der Ethikrat solle kein Ersatzparlament sein. Für die Grünen sprach sich Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer gegen die PID und Forschung an embryonalen Stammzellen aus.

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