Politik : Gentechnik: US-Beschluss gegen Klonen findet positives Echo in Europa

Auf positives Echo ist in Deutschland die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses gestoßen, das Klonen menschlicher Embryonen zu verbieten. Es sei gut, "dass die Wissenschaftsnation Nummer Eins nicht nur das reproduktive, sondern auch das therapeutische Klonen wie in Deutschland verbietet", sagte CDU-Vize Jürgen Rüttgers. Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) zeigte sich erleichtert über die "deutliche Grenzziehung". Auch der Europarat begrüßte die Entscheidung.

Nach einer hitzigen Debatte hatte sich das US-Parlament am Dienstagabend (Ortszeit) mit großer Mehrheit für ein umfassendes Verbot des Klonens menschlicher Embryos ausgesprochen. Die Abgeordneten stimmten mit 265 zu 162 Stimmen für eine Vorlage, die sämtliche Formen des Klonens verbietet. Sie verwarfen auch einen Vorschlag, der das Klonen menschlicher Embryos für die künstliche Befruchtung verboten, aber für wissenschaftliche Zwecke erlaubt hätte. Dem Beschluss zufolge wäre es sogar illegal, Behandlungsmethoden anzuwenden, die im Ausland mit Hilfe geklonter Embryo-Zellen entwickelt wurden. Bevor ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden kann, muss aber der Senat noch abstimmen.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Präsident George W. Bush lobte den Beschluss. Die Entscheidung, das Klonen von Menschen zu verbieten, sei "eine deutliche ethische Stellungnahme", sagte er. "Wir müssen die Wissenschaft voranbringen, aber auf eine Art und Weise, die den Respekt vor dem Leben erhält."

Mit dem US-Votum würden all diejenigen widerlegt, die "unter Hinweis auf die internationale Konkurrenz versuchen, schnelle Entscheidungen durchzusetzen", sagte Rüttgers. Für Wolfgang Wodarg (SPD) sinkt mit dem US-Beschluss der Stellenwert embryonaler Stammzellen. Der Forschungsschwerpunkt müsse nun auf adulte Stammzellen gelegt werden. Monika Knoche (Grüne) meinte, das US-Votum stärke die Position derer, die sich "nicht mit dem vermeintlichen Druck ausländischer Forschungsstandorte ins Bockshorn jagen lassen".

Der Vizechef der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Rüdiger Wolfrum, sagte, langsam gebe es einen "ethischen Konsens". Nun rückten fällige Entscheidungen, etwa zum Import von Stammzellen, stärker in den Mittelpunkt. US-Forscher kritisierten den Beschluss. Wenn die Vorlage Gesetz werde, hindere das einen "Fortschritt, der möglicherweise Millionen von Patienten zu Gute kommen könnte", so Carl Feldbaum, Chef der Biotechnology Industry Organisation.

Die FDP-Abgeordnete Ulrike Flach forderte die Bundesregierung auf, sich für ein weltweites Klon-Verbot einzusetzen. Als wichtigen Schritt dorthin sollte Deutschland aber "endlich die Bioethik-Konvention des Europarates unterzeichnen", sagte der Generalsekretär des Europarates, Walter Schwimmer, dem Handelsblatt. Die Konvention könne Basis für ein internationales Abkommen sein, weil sie auch für Nichtmitglieder offen sei.

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