Politik : Gentests: Keine Gen-Daten für Versicherungen

Lebens- und Krankenversicherer sollen auch künftig keine Gentests von ihren Kunden verlangen dürfen; das Gleiche gilt für Arbeitgeber und ihre Beschäftigten. Dafür hat sich der Ethik-Beirat des Gesundheitsministeriums im Rahmen seiner Empfehlungen für den Einsatz so genannter prädikativer Gentests ausgesprochen. Gesundheitsministerin Andrea Fischer erklärte, solche Tests, die Auskunft über mögliche Erkrankungen in der Zukunft geben, sollten nur "medizinischen Zwecken dienen".

Sie dürften nicht dazu genutzt werden, Menschen mit vererbten Krankheitsrisiken aus der Sozial- und Krankenversicherung auszuschließen, mahnte die Grünen-Politikerin. Fischer wies darauf hin, dass es auch im Interesse der Versicherer liege, eine Balance zwischen den gesetzlichen und privaten Sicherungssystemen zu halten. Der Einsatz von Gentests dürfe nicht dazu führen, dass Risiko-Kunden höhere Krankenkassenbeiträge zahlen müssten oder von der Krankenversicherung ganz ausgeschlossen würden. Die Gesundheitsrisiken in der Bevölkerung dürften sich nicht "entmischen", erklärte Fischer. Kein soziales Sicherungssystem vertrage es, "wenn die Rosinen den Kuchen verlassen".

Eine Ausnahme solle nur für Lebensversicherungen gelten. Wenn ein Versicherungsnehmer bereits einen Gentest gemacht hat und eine ungewöhnlich hohe Lebensversicherung abschließen will, soll er verpflichtet werden, der Versicherungsgesellschaft auf Nachfrage das Testergebnis mitzuteilen. Die Versicherer haben sich zwar dagegen ausgesprochen, Kunden zum Gentest zu zwingen, verlangen jedoch, über die Ergebnisse von freiwilligen Analysen informiert zu werden. "Es wird eine schwierige Debatte werden", sagte die Grünen-Politikerin.

Fischer wies darauf hin, dass der rasante Fortschritt in der Humangenetik viele positive Entwicklungen für die Krankheitsbekämpfung, aber auch ein sehr weit reichendes Wissen für den Einzelnen bringe. Es sei daher wichtig, die Potenziale zu nutzen, aber auch die Menschen vor Gefahren zu bewahren. Daher dürften Gentests nur freiwillig und selbstbestimmt durchgeführt werden.

Nicht zum Einsatz kommen sollen nach Ansicht des Ministeriums vorausschauende Gentests in der vorgeburtlichen Diagnostik, wenn es sich um Krankheiten handelt, die erst im Erwachsenenalter auftreten. Eltern hätten dann keine Möglichkeit, ihr Kind vor der Geburt auf eine Krankheit wie Chorea Huntington (vererbbarer Veitstanz) testen zu lassen - eine unheilbares Leiden, das erst bei Patienten zwischen 30 und 40 Jahren ausbricht.

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