Politik : Genug grün

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Auf dem Berliner Großfeten-Kalender ist dies die Woche zwischen Straßenfest und Christopher-Street-Day. Nun wird dieser Tage oft über große Kooperationen gesprochen: Bei der Gesundheit und bei der Finanzierung einer vorgezogenen Steuerreform – braucht die Republik da nicht eine informelle große Koalition? Müssen nicht alle ihre Alltagsstreits hinter sich lassen? Beim Schöneberger Straßenfest am vergangenen Wochenende waren eindeutige Ansätze für eine überparteiliche Allianz zu besichtigen. Am Sonntagnachmittag saßen prominente Vertreter von Union und FDP Alster trinkend in einer schattigen Vip-Lounge. Der stets freundliche Ober gab sich als langjähriger SPD-Anhänger zu erkennen. Klaus Wowereit war bestimmt auch nicht weit. Draußen auf dem Trottoir schlenderten jedenfalls Volker Beck und Claudia Roth von den Grünen vorbei, was die supergroße Koalition komplett gemacht hätte. Es sah auch so aus, als stünden Roth und Beck am Metalltörchen der Promi-Lounge, um Einlass zu begehren. Und dann sah es so aus, als würde ihnen der Zutritt verweigert. Unschlüssig standen Beck und Roth da und zogen schließlich weiter. Natürlich hätten sie rein gedurft. Claudia Roth musste aber rasch hinauf auf die Bühne, wo sie eine Talkshow zu bestreiten hatte. Da blieb keine Zeit für ein Bier. Der freundliche Ober aber tat so, als habe er die beiden Großen aus der Grünen-Partei ganz bewusst abweisen lassen. Er war wohl der Ansicht, dass Grüne bei großen Koalitionen eher hinderlich sind. Jedenfalls blickte der Ober mit ausladender Geste hinauf in die schattenspendenden Kastanien und sagte in die Runde: „Wir haben hier doch schon genug Grün!“

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