Politik : Georgien verweigert den Russen die Durchfahrt

Elke Windisch

Georgiens Staatschef Eduard Schewardnadse bestätigte am Montag, was Beobachter schon vermuteten: Moskau habe ihn zur Durchzugsgenehmigung für Elite-Einheiten der russischen Armee aufgefordert. Diese sollten auf der georgischen Seite der 81 km langen Grenze zu Tschetschenien eine zweite Front eröffnen. Der nationale Sicherheitsrat habe das Ersuchen jedoch abgelehnt, sagte Schewardnadse weiter: "Im Interesse Georgiens und im Interesse Russlands."

Russlands Generalität, berauscht von bisherigen leichten Siegen in Tschetschenien, deren strategische Bedeutung sich erst noch erweisen muss, versucht immer ungenierter, den Politikern das Heft aus der Hand zu nehmen. Die Zeit drängt; der erste Wintereinbruch hinderte die Einheiten am Dienstag am weiteren Vormarsch.

Ungeachtet der Tatsache, dass Boris Jelzin nicht nur Präsident Russlands, sondern auch Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte ist, erklärte der als Hardliner berüchtigte General Schamanow im russischen Staatsfernsehen, dass nichts und niemand ihn aufhalten würde, das Begonnene siegreich zu beenden. Verhandlungen mit den Tschetschenen kämen nicht in Frage, eher würden sich "die russischen Generäle die Schulterstücke von der Uniform reißen". Doch damit nicht genug: Eine "Gruppe Gleichgesinnter um Generalstabschef Anatolij Kwaschnin", vor dem "Russland aus Dankbarkeit zum Kniefall verpflichtet ist", sei bereit, "aus dem günstigen Kriegsverlauf politische Schlussfolgerungen zu ziehen", so Schamanow.

Nicht auszuschließen, dass also zumindest die Tage von Premierminister Wladimir Putin gezählt sind. Dieser hatte Ende letzter Woche nach massiver Schelte aus dem Westen Bereitschaft zu Gesprächen mit Tschetschenenpräsident Maschadow signalisiert. Allerdings nicht direkt, sondern über die Chefs der nordkaukasischen Teilrepubliken. Abwenden kann der Kreml die Gefahr nur noch, indem er den Militärs in Tschetschenien freie Hand lässt. Dann aber droht ein großer Kaukasuskrieg.

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