Geplante Koranverbrennung : Die einsame Mission des Pastor Jones

Aufregung um die Pläne des US-Pastors Jones für den 11. September: Amerika wendet sich gegen die Verbrennung des Korans – selbst Islamkritiker verurteilen sie.

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Der Plan der kleinen sektenartigen Freikirche, am Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September 2001 Buchausgaben des Korans zu verbrennen, wurde einhellig verurteilt. In seltener Einmütigkeit forderten Vertreter aller politischen Kräfte von links bis rechts und die religiösen Führer der großen Konfessionsgemeinschaften den Urheber der Idee, Pastor Terry Jones, auf, die Koranverbrennung zu unterlassen. Präsident Barack Obama sagte dem TV-Sender ABC: „Ich hoffe, er versteht, dass sein Vorhaben unseren Werten als Amerikaner völlig widerspricht.“ Zu den Grundpfeilern Amerikas gehörten „die Gedanken der Freiheit und der religiösen Toleranz“. Am Abend sagte Jones das Vorhaben tatsächlich ab, wie er dem Fernsehsender CNN sagte. Angeblich hing seine Entscheidung damit zusammen, das die geplante umstrittene Moschee am Ground Zero nun an einem anderen Ort gebaut werden soll.

Jones ist das Oberhaupt einer unbedeutenden Religionsgemeinschaft namens Dove World Outreach Center mit etwa 50 Mitgliedern in der Stadt Gainesville (Florida). Mit der Verbrennung des Korans hatte der 58-Jährige nach eigenen Worten gegen Gewaltakte protestieren wollen, die unter Berufung auf den Islam verübt werden. Vor einem Jahr hatte er zur Erinnerung an den Anschlag auf das World Trade Center von 2001 vor seiner Kirche ein großes Schild mit der Aufschrift „Der Islam ist des Teufels“ aufgestellt. Es ist zugleich der Titel eines Buchs, das er geschrieben hat. Bisher war Jones ignoriert worden. Mit der Ankündigung, dass er in diesem Jahr zur Erinnerung an 9/11 den Koran verbrennen möchte, hatte er aber weltweit Aufmerksamkeit gefunden. General David Petraeus, Kommandeur der US- Truppen in Afghanistan warnte, die Aktion könne die Sicherheit amerikanischer Soldaten gefährden. Jones sei so intolerant wie die Taliban, sagte Petraeus.

Nach amerikanischen Gesetzen ist es nicht verboten, Bücher oder selbst die US-Flagge öffentlich zu verbrennen. Solche Ausdrucksformen des Protests fallen in den USA unter den Schutz der Meinungsfreiheit. Umso ungewöhnlicher war die breite Ablehnungsfront gegen die Koranverbrennung. Sie umfasste Republikaner und Demokraten. Auch der prominente rechte TV-Moderator Glenn Beck, der für seine kritische Haltung zum Islam bekannt ist und vor zehn Tagen eine Massenkundgebung mit 300 000 Teilnehmern zur „Wiederherstellung der Ehre Amerikas“ in Washington organisiert hatte, verurteilte Jones’ Vorhaben.

Der Präsident der National Association of Evangelicals, Leith Anderson, bat die Muslime, sie sollten „nicht alle Christen nach dem Verhalten eines einzelnen Extremisten beurteilen. Eine Person mit 30 Anhängern spricht nicht für 300 Millionen Amerikaner, denen es nie in den Sinn käme, einen Koran zu verbrennen“. Ferhana Khera, Direktorin des Verbands muslimischer Rechtsanwälte, begrüßte die allgemeine Verurteilung der Aktion. Das sei wichtig, damit Muslime in den USA nicht das Gefühl hätten, nicht willkommen zu sein. Die Situation sei anders als im Konflikt um die Mohammed-Karikaturen 2006, hob sie hervor. „Es gibt nicht eine einzige öffentliche Figur, die Verständnis äußert.“

Ramzy Kilic, der Regionaldirektor des Council on American-Islam Relations in Tampa (Florida) hatte zuvor empfohlen, Jones zu ignorieren. Seine Organisation fördert den Dialog zwischen christlichen Amerikanern und Muslimen. „Jones will Muslime provozieren. Warum schenken wir ihm überhaupt Beachtung?“

Solche Aufrufe zur Vernunft und zu einer realistischen Einschätzung der Größenverhältnisse finden in den USA und in der islamischen Welt wenig Beachtung. Die „Washington Post“ hatte eine „Belagerung Gainesvilles durch die Medien“ vorausgesagt. Tausende Journalisten würden einige Dutzend Außenseiter beobachten und filmen. Parallel treffen sich in Gainesville Christen, Muslime und Juden in der Holy Trinity Episcopal Church zum interkonfessionellen Dialog; sie hat 4000 Mitglieder. Am Sonnabend und Sonntag wird dort im Wechsel aus den Heiligen Büchern der drei Religionen gelesen.

Nach Darstellung amerikanischer Medien gab es in muslimischen Ländern weit weniger Aufrufe zur Mäßigung. Viele Imame hatten die Koranverbrennung zum Thema ihrer Freitagspredigt machen wollen, nur eine Minderheit sprach sich dagegen aus.

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