Geplanter Anschlag auf US-Zentralbank : Das FBI war immer dabei

Das FBI konnte offenbar einen Anschlag auf den New Yorker Sitz der US-Notenbank vereiteln. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit habe nicht bestanden, sagen die Behörden. Es scheint, als hätten die US-Behörden die Terrorgefahr im Griff. Und dennoch wirft der Vorgang Fragen auf.

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Vor der Richterin in New York: Der aus Bangladesch stammende 21-jährige Nafis
Vor der Richterin in New York: Der aus Bangladesch stammende 21-jährige NafisFoto: Reuters

Quazi Nafis fuhr in einem weißen Lieferwagen durch die Straßen von Manhattan. Im Vormittagsverkehr ging es nur schleichend voran, doch schließlich war der 21-Jährige am Ziel: Er parkte den Wagen vor dem Gebäude der New York Fed, der US-Zentralbank, in deren Gewölbe Goldbarren im Wert von 400 Milliarden Dollar lagern – mehr als in Fort Knox, dem eigentlichen Lager der Goldreserven des US- Schatzamtes im Bundesstaat Kentucky.

In seinem Lieferwagen, so glaubte jedenfalls Nafis, lag eine 500-Kilo-Bombe mit Fernzünder. Als das Hauptquartier der New Yorker Notenbank 1924 gebaut wurde, war die sandsteinerne Burg das größte Bankgebäude der Welt. Nun sollte es in Schutt und Asche gelegt werden. Nafis und ein Beifahrer stellten den Wagen ab und liefen gemeinsam zum nahen Millenium Hilton gegenüber Ground Zero. Dort – am Ort der schwersten Terrorangriffe gegen die USA – nahm er ein Bekennervideo auf. „Wir werden bis zum Sieg kämpfen, oder als Märtyrer sterben“, sagte er. In einem Brief hatte er zuvor bereits „unseren geliebten Scheich Osama bin Laden“ zitiert.

Nafis tippte danach auf seinem Handy einen Zahlencode ein, der die Bombe vor der Fed auslösen sollte – dann schlugen die Ermittler zu. Sein Komplize war ein Undercover-Polizist, auch andere Mitwisser und Helfer waren in Wirklichkeit Informanten. Noch am Nachmittag des gleichen Tages, nur wenige Stunden nach der versuchten Attacke, räumten Polizisten Nafis Wohnung im Stadtteil Queens aus und beschlagnahmten mehrere Kisten mit Unterlagen. Nafis selbst wurde kurz einem Richter in Brooklyn vorgeführt, seither sitzt er in Untersuchungshaft. Nach Angaben der New Yorker Staatsanwältin Loretta Lynch ist er im Januar aus Bangladesch in die USA gekommen, um eine Terrorzelle aufzubauen. Bekannt wurde unterdessen, dass er der oberen Mittelschicht in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka entstammt, der Vater ist Vizepräsident der Nationalen Bank. Die Familie reagierte fassungslos auf das Geschehen.

FBI und New Yorker Polizei feiern ihren Erfolg. „Al Qaida und ihre Nachahmer versuchen immer wieder, New York zu ihrem Schlachtfeld zu machen“, sagte Polizeichef Ray Kelly. Der geplante Angriff sei der fünfzehnte Terrorakt, den man seit dem 11. September 2001 vereitelt habe. Eine stolze Bilanz für „New Yorks Finest“, in deren Reihen mehr als tausend Beamte speziell mit der Terrorabwehr betraut sind. Allerdings ist deren Arbeit nicht immer unumstritten, denn in vielen Fällen beobachten die Beamten Terrorverdächtige nicht nur. Vielmehr stiften sie Täter an, unterstützen deren Tun aktiv, stellen Geld und Materialien zur Verfügung. So präsentieren sie der Öffentlichkeit vermeintlich gefährliche Terroristen, hinter denen oft nur verrückte aber harmlose Einzelgänger stecken, die ohne die Unterstützung der Agenten niemals die Möglichkeit gehabt hätten, einen Terrorakt überhaupt planen oder ausüben zu können.

Ob die Polizei auch im jüngsten Fall mehr als nur Mitwisser war, muss noch geklärt werden. Von früheren Fällen ist aber belegt, wie Beamte aktiv mitarbeiteten und dann eingriffen. So etwa 2009, als ein 26-Jähriger aus Algerien und ein 20-Jähriger aus Marokko für einen geplanten Terrorangriff auf das Empire State Building verhaftet wurden. Oder im Mai 2011, als vier junge Männer Angriffe auf New Yorker Synagogen planten. Das FBI habe „Bombenattrappen besorgt, und dann einen Terrorakt verhindert. Das ist Wahnsinn“, schimpfte die zuständige Richterin in dem damaligen Verfahren. „Die Regierung hat diese Männer erst zu Terroristen gemacht.“

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