Politik : Gericht entscheidet über Wertheim-Klage

Die Wertheim-Erben werfen der KarstadtQuelle AG vor, widerrechtlich vom guten Namen der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie und deren Besitztümern zu profitieren. Morgen entscheidet das Berliner Verwaltungsgericht über eine Entschädigung.

Berlin (03.03.2005, 15:07 Uhr) - Barbara Principe (72), Tochter von Günther Wertheim, bekräftigte am Donnerstag in Berlin als Sprecherin von bis zu 50 überlebenden Wertheim-Erben die Vorwürfe gegenüber der KarstadtQuelle AG. An diesem Freitag entscheidet das Verwaltungsgericht Berlin über die Entschädigung für eine Teilfläche des früheren Wertheim-Stammsitzes am Potsdamer Platz mit möglichen Folgen für den gesamten Komplex.

Einen Tag vor dem nach Angaben des Wertheim-Anwalts Matthias Druba vorentscheidenden Prozess sagte Principe in einer von zahlreichen nationalen und internationalen Medien beachteten Pressekonferenz, die Familie werde den Kampf um ihr rechtmäßiges Erbe vor deutschen und amerikanischen Gerichten «niemals aufgeben». Principe sagte: «Die Gerichte in Deutschland sind sehr fair, ich vertraue den Gerichten, der Regierung und den Menschen dieses Landes. Egal, wie lange es dauert, wir hören nicht auf, um unser Recht zu kämpfen.»

Druba und der amerikanische Anwalt der Wertheim-Familie, Gary M. Osen, wollten konkrete Zahlen über die als Entschädigung von der KarstadtQuelle AG und anderen Wertheim-Rechtsnachfolgern geforderte Gesamtsumme nicht angeben, widersprachen aber bisher bekannten Angaben von bis zu 500 Millionen Euro für sieben Filetgrundstücke im Herzen Berlins ausdrücklich nicht. In das Gesamtverfahren verwickelt sind auch die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag, dessen Elisabeth-Lüders-Haus auf ehemaligen Wertheim-Grund errichtet worden ist.

In dem an diesem Freitag verhandelten Fall geht es um ein Gelände in der Leipziger Straße in Berlin-Mitte, auf dem heute die weit über Berlin hinaus bekannte Techno-Disco «Tresor» steht. Der Name stammt vom dort liegenden Stahltresor des früheren Stammsitzes der Wertheim-Kaufhäuser. Ursprünglich waren die meisten Grundstücke der Wertheims an Hertie gegangen, dessen Anteile später von der KarstadtQuelle AG übernommen wurden.

Neben der jetzt erwarteten Teil-Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht könnte aber besonders der noch offene Streit um das so genannte Lenné-Dreieck kostspielige Folgen haben. Dieses Filetstück ebenfalls im Herzen der neuen Mitte Berlins hatte die KarstadtQuelle AG im Jahr 2000 für rund 150 Millionen Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim verkauft. Dieser errichtete das Beisheim-Center mit Büroräumen und Luxuswohnungen in erstklassiger Lage sowie die Fünfsterne-Hotels Ritz-Carlton und Marriott. Die Jewish Claims Conference (JCC) als Repräsentant der Wertheim-Erben fordert hierfür die komplette Entschädigung in Höhe von mindestens 145 Millionen Euro. (tso) ()

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