Politik : Gericht hebt Todesurteil gegen US-Aktivisten Abu-Jamal auf

Washington - 25 Jahre nach der Verurteilung wegen Polizistenmordes hat ein Berufungsgericht in Philadelphia das Todesurteil gegen Mumia Abu-Jamal, eine Symbolfigur der militanten Schwarzenbewegung, aufgehoben und eine neue Festsetzung des Strafmaßes gefordert. Es ist aber fraglich, ob er der Hinrichtung entgeht. Das Gericht lehnte zugleich eine Neuaufnahme des Mordprozesses ab und bestätigte den Schuldspruch. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft kann eine Jury erneut die Todesstrafe verhängen. Andernfalls wird das Urteil in Lebenslang verwandelt.

Der Fall Abu-Jamal ist für die Mehrheit der US-Bevölkerung ein brutaler Mord, für viele Schwarze dagegen ein Beispiel für Rassenjustiz. Der 1954 geborene Afroamerikaner Wesley Cook nahm als Aktivist der „Black Panther“ den muslimischen Namen Abu-Jamal an. 1981 hielt der weiße Polizist Daniel Faulkner Abu-Jamals Bruder wegen eines Defekts an dessen Auto an. Der wurde handgreiflich. Als Faulkner ihm Handschellen anlegen wollte, schoss der herbeigeeilte Abu-Jamal laut Aussage von vier unabhängigen Zeugen auf den Polizisten, der einmal zurückfeuern konnte, und entleerte dann sein komplettes Pistolenmagazin auf den am Boden liegenden Faulkner. Die Beweissicherung ergab: Die Kugeln wurden aus Abu-Jamals Waffe abgefeuert.

Seine Verteidiger sagen, es habe Fehler bei der Beweissicherung und bei der Berufung der Jury gegeben, die 1982 das Todesurteil verhängte. 18 Jahre später behauptete der Berufskiller Arnold Beverly, er habe Faulkner im Auftrag der Mafia erschossen. Seine Schilderung wurde von der Justiz verworfen. Abu-Jamals Verteidiger sehen darin einen neuen Beweis für die Parteilichkeit der Justiz. Ein Bundesgericht ließ 2005 ein neues Verfahren zum Strafmaß, nicht aber zum Mordvorwurf zu. cvm

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