Politik : Gericht kritisiert Polizei nach Überfall auf Vietnamesen

Frank Jansen

Stendal – In scharfer Form hat das Landgericht Stendal das Verhalten der Polizei bei einem Angriff von Ausländerfeinden auf Vietnamesen in Burg (Sachsen-Anhalt) kritisiert. Es sei „eine Schande, wenn eine Familie in ihrer Wohnung überfallen wird, die Strafverfolgungsbehörden davon Kenntnis bekommen, aber letztlich eine Fortsetzung der Delikte nicht verhindern können“, sagte am Montag der Vorsitzende Richter der Jugendkammer, Gerhard Henss, bei der Verkündung des Urteils gegen die drei Täter.

Die Angeklagten Patrick B. (18), David W. (20) und Mario K. (38) waren in der Nacht zum 2. August zweimal in die Wohnung der Asiaten gestürmt und brüllten dabei rassistische Parolen. Die Vietnamesen riefen die Polizei. Beide Male kam ein Streifenwagen mit zwei Beamten. Sie baten ihre Dienststelle um Verstärkung, die jedoch nicht gewährt wurde. Schließlich zogen die Polizisten unter dem Gejohle der Täter mit der vietnamesischen Familie ab. Anschließend drangen die Angreifer in die leere Wohnung ein, randalierten und stahlen elektronische Geräte.

Das Versagen der Polizei rief über Sachsen-Anhalt hinaus Empörung hervor. Der Polizeipräsident von Magdeburg, Johann Lottmann, versetzte den zuständigen Dienstgruppenleiter und dessen Stellvertreter. Der Fall Burg ist allerdings nur einer in der wuchernden Polizeiaffäre um Versäumnisse bei der Bekämpfung rechter Kriminalität.

Die Stendaler Jugendkammer verurteilte jetzt die schon mehrfach strafrechtlich aufgefallenen Patrick B. und David W. zu je zwei Jahren Haft ohne Bewährung. Mario K., bislang nicht vorbestraft, kam mit 18 Monaten davon, deren Verbüßung das Gericht zur Bewährung aussetzte.

Die vietnamesische Familie hatte die Wohnung erst kurz vor dem Überfall bezogen und renoviert. Nach der Tat wollten die traumatisierten Asiaten dort nicht bleiben – sie suchten sich eine neue Bleibe und mussten erneut die Kosten für Instandsetzung und Umzug aufbringen. Zudem war die achtjährige Tochter so verängstigt, dass die Eltern sie in psychiatrische Behandlung gaben. Es werde lange dauern, bis die Familie über den Schreck jener Augustnacht hinwegkommt, sagte die Berliner Anwältin Petra Isabel Schlagenhauf, die die Nebenklage vertrat. Frank Jansen

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