Politik : Gericht stoppt Bauprojekt am Gezi-Park

Istanbul - Die türkische Justiz hat das umstrittene Bauprojekt am Gezi-Park in Istanbul vorerst gestoppt und die Entscheidung damit begründet, dass die Bewohner über das Vorhaben nicht ausreichend informiert wurden. Türkische Medien berichteten am Mittwoch im Internet erstmals im Detail über das Urteil eines Istanbuler Verwaltungsgerichtes, das seine Entscheidung bereits Anfang Juni fällte.

Der Bebauungsplan verletze geltende Schutzrechte und die Identität des Taksim-Platzes sowie des angrenzenden Gezi-Parks, hieß es nach Angaben der Zeitungen „Zaman“ und „Hürriyet“ in der weiteren Urteilsbegründung. Gegen die Entscheidung kann Berufung eingelegt werden. Das Bauprojekt hatte wochenlange massive Proteste ausgelöst, die von den türkischen Sicherheitskräften niedergeschlagen wurden. Bei den Protesten auf dem Taksim-Platz im Zentrum der Millionenmetropole sowie in anderen türkischen Städten waren vier Menschen getötet und fast 8000 weitere verletzt worden.

Nach Schätzungen der Polizei gingen in den vergangenen Wochen insgesamt etwa 2,5 Millionen Menschen in 80 Städten auf die Straße. Die Proteste richteten sich zunächst gegen das Bauprojekt in Istanbul, später dann zunehmend gegen die Regierung Erdogans, dem die Demonstranten autoritäres Gebaren und die schleichende Veränderung der Gesellschaft nach islamisch-konservativen Prinzipien vorwerfen.. Erdogan hatte Mitte Juni erklärt, seine Regierung werde das endgültige Urteil der Justiz im Fall des Bauprojektes respektieren. AFP

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