Politik : Gerichtsentscheid: Islamische Fatwa verstößt gegen Gesetz

Das oberste Zivilgericht von Bangladesch hat Rechtsurteile islamischer Kleriker, die so genannten Fatwas, für ungesetzlich erklärt. Ein Menschenrechtsanwalt sprach am Dienstag von einem "historischen Urteil", das einen großen Fortschritt für den Schutz der Grundrechte in Bangladesch markiere. Wie das Gericht mitteilte, ordneten die Richter am Montagabend zugleich die Inhaftierung eines Moslemklerikers an, der ein Ehepaar gegen dessen Willen zur Scheidung gezwungen hatte.

Angeblich hatten Zeugen in einem abgelegenen Dorf im Nordwesten des Landes gehört, wie der Ehemann nach einem Streit drei Mal das Wort "Talaq", den islamischen Ausdruck für Ehescheidung, aussprach. Daraufhin zwang der Geistliche das Paar zur Trennung. Die Frau durfte erst zu ihrem Ehemann zurückkehren, nachdem sie eingewilligt hatte, einen anderen Mann zu heiraten. Der Menschenrechtsanwalt Kamal Hussain, ein früherer Justizminister, übernahm die Verteidigung des Paares.

Die obersten Zivilrichter stellten schließlich fest, dass Moslemkleriker keine rechtliche Befugnis zum Erlass von Fatwas haben. Nach dem gültigen islamischen Scheidungsgesetz sind mündliche Scheidungen in Bangladesch ohnehin ungesetzlich. Der Begriff Fatwa kommt aus dem Arabischen und bezeichnet in der islamischen Welt ein von einem Gelehrten (Mufti) erstelltes Rechtsgutachten. Solche Expertisen sind notwendig, weil die wichtigsten Rechtsquellen der Moslems - der Koran und die Prophetentraditionen - nicht in allen Fragen des zivilen und religiösen Lebens eine Antwort geben. Zudem müssen Rechtssysteme anderer Länder mit dem Islam harmonisiert werden. Weltweit negative Schlagzeilen machte der Begriff durch die Fatwa des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie. Die Fatwa forderte den Tod Rushdies.

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