Gerüchte um Krankheit : Das Verschwinden des Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin ist seit einer Woche nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Der Kreml dementiert Berichte über eine Krankheit des Staatschefs mit Nachdruck - und nährt damit Spekulationen.

von
Wladimir Putin im Kreml. Foto: dpa
Wladimir Putin beim Treffen mit Müttern zum Frauentag. Datiert wurde das Foto im Kreml auf den 8. März - das Treffen fand aber...Foto: dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine für diesen Freitag geplante Reise nach Kasachstan kurzfristig abgesagt. Es sehe so aus, als sei Putin krank geworden, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in kasachischen Regierungskreisen. Der Kreml allerdings dementierte dies sofort entschieden: Putin sei „absolut“ gesund, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow dem russischen Sender Echo Moskwy. „Alles ist in Ordnung“, versicherte er. Es gebe keinen Grund zur Sorge.

Doch auch bei einem Treffen des Inlandsgeheimdienstes FSB tauchte der Ex-Geheimdienstler Putin am Donnerstag anders als in früheren Jahren nicht auf. Am Mittwoch hätte er bei der Unterzeichnung eines Abkommens mit Vertretern der separatistischen georgischen Teilrepublik Südossetien anwesend sein sollen –  das Treffen wurde abgesagt. Zuletzt war der Präsident russischen Medienberichten zufolge am 5. März in der Öffentlichkeit zu sehen, beim Besuch des italienischen Regierungschefs Matteo Renzi. Dagegen betonte Peskow, Putin habe einen vollen Terminplan: „Er hat ständig Treffen, aber nicht alle Treffen sind öffentlich.“

Treffen fanden früher statt als vom Kreml berichtet

Tatsächlich erweckt die Webseite des Kremls den Eindruck, als empfange Putin weiter täglich Gäste zum Gespräch. Doch weder ein Treffen mit Müttern zum Frauentag noch Gespräche mit zwei Gouverneuren fanden an den Tagen statt, an denen der Kreml Berichte über das Treffen veröffentlichte. Diese Gesprächspartner empfing Putin bereits mehrere Tage zuvor, wie russische Medien berichteten.

Der Präsident selbst kultiviert seit seinem Amtsantritt das Bild eines körperlich starken Präsidenten. Er ließ sich beim Judo, beim Reiten oder Angeln (bevorzugt mit nacktem Oberkörper) fotografieren, zeigte sich mit sibirischen Tigern und begleitete Kraniche in einem motorisierten Drachenflieger.

Spekulationen über den Gesundheitszustand des russischen Präsidenten gibt es seit langem. Im Jahr 2012 gab es Berichte über ein Rückenleiden Putins – und sein Sprecher Peskow sah sich gezwungen zu betonen, dass dieses nicht etwa durch Putins Flug mit den Kranichen verschlimmert worden sei, wie damals in Moskau behauptet wurde.

Putins Händedruck? "Er bricht einem die Hand"

Auch jetzt war Peskow bemüht, die Stärke des Staatschefs zu betonen. Auf die Frage der Journalistin von „Echo Moskwy“, ob Putins Händedruck noch kräftig sei, antwortete Peskow: „Er bricht einem die Hand.“

In einem System, das so stark auf die Person des Präsidenten ausgerichtet ist wie das russische unter Putin, haben Gerüchte über den Gesundheitszustand des Staatschefs eine besondere Bedeutung. In Moskau fühlen sich manche an sowjetische Zeiten erinnert, als man zwischen den Zeilen lesen musste, um herauszufinden, was wirklich im Kreml vor sich ging. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion ist die Zeit der Kreml-Astrologie längst nicht vorbei.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

Autor

107 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben