Politik : Geschäfte mit Kindern: Unicef warnt vor illegalen Auslandsadoptionen

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Unicef hat vor einer Zunahme von illegalen Auslandsadoptionen gewarnt. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerkes sei die Vermittlung von Babys aus armen Ländern an wohlhabende Familien in Industriestaaten zu einem lukrativen Geschäft geworden. An ihm verdienten Rechtsanwälte in den Entwicklungsländern und Vermittlungsagenturen vor allem in den USA, sagte Rudi Tarneden von Unicef Deutschland am Montag in Berlin. Die wachsende Nachfrage kinderloser Paare aus den Industrieländern, fehlende staatliche Kontrollen und das Internet begünstigten dieses "Adoptions-Business".

Besonders dramatisch sei die Situation in Guatemala, so Kinderrechtsexperte Christian Salazar-Volkmann. Das mittelamerikanische Land gehöre weltweit zu den größten Baby-Exporteuren. Zwischen 1996 und 2000 seien mehr als 7000 Kinder über private Agenturen vermittelt worden. Nur ein Prozent der Kinder lebte zum Zeitpunkt der Adoption bei seiner leiblichen Mutter. Die meisten waren in privaten Haushalten untergebracht, die mit vermittelnden Anwälten eng zusammenarbeiteten. Schwangere Frauen würden gezielt zur Adoption überredet. Die Rechtsanwälte kassierten für eine Vermittlung rund 30.000 Mark.

Tarnden betonte, dass Auslandsadoptionen eine Chance für kinderlose Paare hierzulande sein könnten. Rund 20 Bewerber kämen auf ein zu vermittelndes Kind in Deutschland. Bei der Vermittlung eines Kindes aus dem Ausland müsse es jedoch ausschließlich um das Wohl des Kindes gehen. Er appelierte an die Bundesregierung, die Haager Konvention zur Auslandsadoption aus dem Jahre 1993 zu ratifizieren. Sie regelt den Rechtsstatus eines ausländischen Adoptivkindes.

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