Geschichte : Bad Arolser NS-Archiv soll geöffnet werden

Die Bundesregierung hat der Öffnung des Archivs mit NS-Dokumenten im nordhessischen Bad Arolsen zugestimmt. Historiker und Forscher sollen künftig unmittelbaren Zugang zu dem Archiv erhalten.

Berlin - Das Protokoll einer internationalen Vereinbarung vom 16. Mai zur Öffnung des Archivs werde voraussichtlich Ende Juli unterzeichnet, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Anschließend könnten auch die zehn weiteren an der Aufsicht über das Archiv beteiligten Länder die Vereinbarung ratifizieren. Nach Einschätzung des Internationalen Suchdienstes (ISD), bei dem das Archiv angesiedelt ist, könnte dies noch etwa zwei Jahre dauern.

Das Bad Arolser Archiv wird vom Internationalen Roten Kreuz geführt, steht aber unter der Aufsicht von elf Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Israel und die USA. Es enthält über 30 Millionen Dokumente mit 50 Millionen Einzelhinweisen zu 17,5 Millionen Menschen; Blatt an Blatt gereiht sind das über 25 Kilometer Papier. Hauptaufgabe war es in den vergangenen Jahren, NS-Opfern ihre KZ-Haft, Zwangsarbeit oder andere Verfolgungen zu bescheinigen. Damit konnten die Betroffenen Renten und andere Leistungen beantragen, zuletzt auch aus dem Zwangsarbeiterentschädigungsfonds.

Öffnung schon lange gefordert

Historiker aus aller Welt, insbesondere aus den USA, haben seit Jahren eine Öffnung des Bad Arolser Archivs gefordert. Der ISD und das Rote Kreuz räumten bislang aber der humanitären Arbeit den Vorrang ein. Am 16. Mai hatte der Internationale Ausschuss des ISD in Luxemburg beschlossen, künftig die Auskünfte an NS-Opfer und die wissenschaftliche Forschung gleichzeitig zu bewältigen. Dies soll durch eine Digitalisierung der Daten möglich werden.

Nach der nun vom Kabinett gebilligten Luxemburger Vereinbarung werden die Bonner Verträge von 1955, die die Aufsicht über den ISD regeln, entsprechend geändert. Danach sollen künftig Historiker und Forscher unmittelbaren Zugang zu dem Archiv in Bad Arolsen erhalten. Ob dies auch Familienforscher und Journalisten gelten soll, will eine internationale Arbeitsgruppe beraten. (tso/AFP)

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