Feiertage : Tag der Deutschen Einheit

Das wird den alten Kanzler Schröder wieder wurmen, dass der diesjährige Tag der Deutschen Einheit wieder nicht auf einen Sonntag fällt. Dahin wollte er ihn nämlich verlegen, um die Wirtschaft anzukurbeln, auf den ersten Sonntag im Oktober. Einerseits wäre das natürlich ein Affront gewesen, gegenüber dem 3. Oktober, als dem Tag, an dem die Einheit vollzogen wurde. Andererseits ist ein deutscher Nationalfeiertag das freie floating gewöhnt. Den ersten gab es am 11. August 1919. Es war der Tag, an dem Friedrich Ebert die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Dann wurde es unselig. Die Nationalsozialisten verlegten den Nationalfeiertag auf den, na, weiß das noch jemand?, genau, auf den 1. Mai. Und zum Zwecke der Volkstümlichkeit erfanden sie am Vorabend auch gleich noch den Tanz in den Mai. Nach dem Krieg gab es erst einmal nichts mehr zu feiern, schon gar keine Nation. Ab 1954 wurde gedacht, des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni, wohingegen die DDR den 7. Oktober, den Tag der Staatsgründung 1949, zu ihrem Ehrentag erhob. Der nächste Termin sollte eigentlich der 9. November sein, der Tag, an dem die Mauer fiel. Aber es ist eben nicht so leicht, in Deutschland unbelastete Tage des Feierns zu finden. Ein deutscher Nationalfeiertag am 9. November, der Tag, an dem die Mauer fiel, aber eben auch 1938 die Synagogen brannten? So ist der 3. Oktober eine gute Wahl. Und der Ex-Kanzler wird es verwinden, dass er sich 2004 in der kurzen, aber hitzigen Debatte nicht durchsetzte, jetzt, da ja auch er von einem freien Tag profitiert. Zumal der 17. Juni nicht in Vergessenheit gerät. Die Feierlichkeiten am 3. Oktober finden seit der Wiedervereinigung in aller Party- Fröhlichkeit mit allerlei Bands und dem Regierenden Bürgermeister in Berlin vor dem Brandenburger Tor statt. Und das steht nun mal am Ende der „Straße des 17. Juni“. Oder am Anfang...

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