Fernsehshows : Als die Bänder laufen lernten

Vor 20 Jahren moderierte Thomas Gottschalk zum ersten Mal "Wetten, dass ...?". Davor schwärmte Fernsehdeutschland für Frankenfelds Karo-Jacketts, Kulenkampffs Monologe, Rosenthals Luftsprünge und Wum & Wendelin. Ein kleines Quartett der Moderatoren.

Christine Dohler

Lou van Burg moderierte von 1964 bis 1967 im ZDF "Der goldene Schuss":

Spielidee: Mit einer Tele-Armbrust, die an einer Fernsehkamera befestigt war, schossen vier Saalkandidaten und vier Fernsehzuschauer, die per Telefon zugeschaltet waren, auf einen Apfel, später auf eine Zielscheibe.

Persönliche Note: "Onkel Lous" bekannter Ausruf war: "Wunnebar!" Zu Beginn der Sendung sang er: "Der goldene Schuss heißt unser Spiel. Dass Sie sich freuen, ist mein Ziel." Vor dem Schuss sagte er: "Bitte, Peter, den Bolzen!"

Highlight: Die Sendung vom 25. August 1967 wurde live von der Berliner Funkausstellung gesendet: Es handelte sich um die erste in Farbe ausgestrahlte Show des deutschen Fernsehens.

Größter Flop/Skandal: 1967 wurde Lou van Burg vom ZDF gefeuert: Er hatte ein Verhältnis mit seiner Assistentin Marianne; beide waren mit anderen Partnern verheiratet. "Der goldene Schuss" lief mit Moderator Vico Torriani bis 1970 trotzdem weiter.

Peter Frankenfeld moderierte von 1965 bis 1970 im ZDF "Vergissmeinnicht":

Spielidee: Die Sendung sollte für die Verwendung der im März 1962 eingeführten bis zu vierstelligen Postleitzahlen und die Hilfsorganisation "Aktion Sorgenkind" werben. So mussten die Kandidaten bei vielen Quizfragen und Spielen in der Sendung die Postleitzahlen erraten. In drei Runden spielten Kandidaten gegeneinander, die Frankenfeld aus dem Saalpublikum ausgewählt hatte.

Persönliche Note: Peter Frankenfeld, das Urgestein unter den Showmoderatoren, ist für sein groß kariertes Jackett bekannt.

Highlight: Für die Auslosung der Gewinner führte Frankenfeld den Geldbriefträger Walter Sparbier ein, der neben der Assistentin Victorie Voncampe zu einem der berühmtesten Statisten wurde.

Größter Flop/Skandal: Frankenfeld verlangte Ende der 60er Jahre eine Gehaltserhöhung vom ZDF. Beim Sender entschied man jedoch, der Showmaster sei zu alt, und ließ den Vertrag auslaufen.

Hans-Joachim Kulenkampff moderierte von 1964 bis 1987 in der ARD "Einer wird gewinnen":

Spielidee: Acht Kandidaten (je vier Männer und Frauen) aus acht Ländern spielten gegeneinander, u.a. mussten sie Fragen zur Allgemeinbildung beantworten. Zwischen den Spielelementen traten Musiker auf.

Persönliche Note: Kulis endlose Monologe. Eingangs machte er einige Witze zum aktuellen Tagesgeschehen, während der Show biss er sich auch an Themen fest, wenn sich die Gelegenheit ergab. Am Ende wurde er von Butler Martin Jente mit einem bissigen Kommentar verabschiedet.

Highlight: Die Beatles-Parodie aus einer Sendung von 1966. In ihr imitieren neben Kulenkampff noch Bully Buhlan, Willy Berking und Gerhard Wendland die Beatles.

Größter Flop/Skandal: Oft überzog "Kuli" die Sendezeit. In den 80er Jahren beendete er aber eine Sendung vorzeitig. Er forderte die ARD auf, die sechs Minuten sinnvoll zu füllen. Da der Sender nicht vorbereitet war, wurde das ARD-Logo ausgestrahlt.

Vivi Bach und Dietmar Schönherr moderierten von 1969 bis 1972 im ZDF "Wünsch dir was":

Spielidee: Drei Familien traten gegeneinander an. Sie mussten bei den Talkrunden familiäre Harmonie beweisen und bei den Spielen mutig sein. So mussten sie zum Beispiel über dünnes Eis robben.

Persönliche Note: Den deutlich charmanteren Part des Duos übernahm Bach, die Frau mit dem tollen dänischen Akzent. Dietmar Schönherr war der ruppige Rebell. Im Schweizer Fernsehen nannte er Ronald Reagan mal ein Arschloch. Dafür bekam er Auftrittsverbot. Das Ehepaar ist auch für sein soziales Engagement bekannt.

Highlight: Kandidaten sollten sich unter Wasser selbst aus einem Auto befreien. Das funktionierte nicht, weil die Griffe des Wagens verkehrt herum zu öffnen waren. Taucher mussten eingreifen.

Größter Flop/Skandal: 1970 trat die 18-jährige Kandidatin Leonie Stöhr mit einer transparenten Bluse auf. Die Tugendwächter der Republik waren empört.

Hans Rosenthal moderierte von 1971 bis 1986 im ZDF "Dalli Dalli":

Spielidee: Acht Prominente traten in Zweierteams in verschiedenen Ratespielen gegeneinander an. Sie mussten zum Beispiel in fünfzehn Sekunden Assoziationen zu einem Begriff nennen. Immer dabei waren der Zeichner Oscar und die Jury, die u.a. den Gewinn in Schilling umrechnete.

Persönliche Note: Die Schlüsselszene der Spielshows: Die Zuschauer konnten eine Warnleuchte aktivieren, wenn sie etwas toll fanden. Hans Rosenthal sprang dann mit den Worten in die Luft: "Sie sind der Meinung, das war Spitze!" Die Szene wurde als Standbild eingefroren. Das Publikum rief "Spitze!"

Highlight: Ende 1972 bat eine gelähmte Kandidatin um Ansichtskarten aus aller Welt. Es kamen 600 000 bis eine Million Karten zusammen. Der Erlös ging an gute Zwecke.

Größter Flop/Skandal: 1995 startete das ZDF eine kurzlebige Neuauflage mit Andreas Türck als Moderator.

Rudi Carrell moderierte von 1974 bis 1979 in der ARD "Am laufenden Band":

Spielidee: Vier Kandidatenpaare spielten in mehreren Runden gegeneinander, mussten zum Beispiel spontan einen Sketch darbieten. Das Siegerpaar musste im Finale Fragen zur Tagesschau beantworten. Am Ende sollte sich der Gewinner Gegenstände, die auf einem Band vorbeiliefen, merken. An die er sich noch erinnern konnte, durfte er behalten.

Persönliche Note: Carrell galt als liebenswerter, aber zynischer Holländer, der nuschelig Deutsch sprach und trockenen Humor besaß.

Highlight: 1975 boxten vier Kandidaten eine halbe Stunde gegen Muhammad Ali.

Größter Flop/Skandal: In einer Sendung war Carrell für einige Sekunden sprachlos: Eine Kandidatin sollte blind auf eine Adresse im Branchenbuch tippen. Daraus sollte sich ein kleiner Gewinn ermitteln. Sie tippte auf einen Immobilienmakler. Pause. Carrell versprach ihr ein kleines Grundstück.

Wim Thoelke moderierte von 1974 bis 1992 im ZDF "Der große Preis":

Spielidee: Drei Kandidaten mussten in drei Spielrunden gegeneinander antreten. In der ersten Runde spielte jeder Kandidat allein und beantwortete Fragen zu seinem Fachgebiet. Ab der zweiten Runde saßen die Kandidaten in Kapseln und beantworteten Allgemeinwissen-Fragen. In der Finalrunde spielte wieder jeder Kandidat allein in seinem Fachgebiet.

Persönliche Note: Wim Thoelke wurde von dem Zeichentrickhund Wum angekündigt: "Thoooooooeeeeeeelke!"

Highlight: Höhepunkt der Sendung war der hölzerne Dialog Wim Thoelkes mit den Loriot-Zeichentrickfiguren Wum, dem Hund, und Wendelin, einem Elefanten.

Größter Flop/Skandal: Einmal antwortete ein Kandidat: "Da muss ich raten, Goethe oder Schiller. Ich sag’ mal Schiller." Thoelke sagte: "Das tut mir leid, Goethe wäre richtig gewesen." Darauf meldete sich der Oberschiedsrichter: "Die zuerst gegebene Antwort gilt, und die war Goethe."

Joachim Fuchsberger moderierte von 1977 bis 1986 in der ARD "Auf Los geht's los":

Spielidee: Mehrere Kandidaten treten in verschiedenen Spielen gegeneinander an. Das A-Z-Spiel war die zentrale Idee der Show. Es mussten dabei Begriffe geraten werden: Fuchsberger nannte eine Umschreibung, etwa Instrument mit einem Ton (für Ahorn), und auf der Leuchtanzeige erschien für jeden Buchstaben des Begriffs ein Strich.

Persönliche Note: Fuchsberger hatte einen uncharmanten Umgang mit Frauen und trat in einige Fettnäpfchen. Eine steppende, etwas fülligere Frau erinnerte ihn einmal an eine "Elefantentanzschule".

Highlight: 1983 moderierte er eine ganze Sendung im Nachthemd, weil er bei "Wetten, dass …?" falsch getippt hatte.

Größter Flop/Skandal: 1982 lautete bei einer Sendung aus Österreich eine Frage an die Einheimischen: "Wie viele von Ihnen bezeichnen die Deutschen als Piefke?" Die Antwort fiel überwiegend bejahend aus. Das tat dem deutsch-österreichischen Verhältnis nicht gut.

Frank Elstner moderierte von 1981 bis 1987 im ZDF "Wetten, dass ...?":

Spielidee: Die Grundidee war simpel: Ein Wettkandidat wettet, dass er etwas Besonderes kann, z. B. eine Wärmflasche mit dem Mund aufblasen. Ein prominenter Gast tippt den Ausgang und bietet einen Einsatz an, falls er verliert. Wettkönig war am Ende der Kandidat des prominenten Wettpaten, der die meisten Punkte erspielt hatte.

Persönliche Note: Elstner ist der Erfinder von "Wetten, dass …?"

Highlight: 1981 wettete Karlheinz Böhm, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark gibt, um Hunger leidenden Menschen zu helfen. Er gewann die Wette, es kamen nur 1,7 Millionen Mark zusammen. Das Geld wurde Grundlage für die Aktion "Menschen für Menschen".

Größter Flop/Skandal: 1984 stürmten fünf Umweltschützer von Robin Wood die Bühne. Der Sicherheitsdienst wollte sie abführen, Elstner ging dazwischen: "Aus meiner Sendung wird niemand herausgeworfen." Stattdessen unterhielt er sich mit den Störenfrieden.

Thomas Gottschalk löste Elstner 1987 ab und moderiert "Wetten, dass ...?" bis heute:

Spielidee: Mit Gottschalk änderte sich der Sendungsablauf: Es wechselte zwischen Talk mit Promipate, Wette und Auftritt eines Sängers. Jeder Pate tippte nur noch bei der Wette des eigenen Kandidaten. Wettkönig wurde, wen die Fernsehzuschauer wählten.

Persönliche Note: Thomas Gottschalk ist bekannt für seinen ausgefallenen Kleiderstil, z. B: Schlangenlederstiefel und Karojacketts.

Highlight: 1997 zeigte Patrick Lindner den Spice Girls seine Unterhose. Als Gottschalk merkte, dass er und Lindner die gleiche Unterhose trugen, zog er auch seine Hose runter.

Größter Flop/Skandal: 1988 schlich sich der Titanic-Redakteur Bernd Fritz unter dem Pseudonym Thomas Rautenberg in die Sendung ein. Er behauptete, die Farbe von Buntstiften nur am Geschmack erkennen zu können. Nachdem er seine Wette gewonnen hatte, verriet Bernd Fritz, dass er unter dem Rand der Brille hindurchgeschaut hatte.

Michael Schanze moderierte von 1988 bis 1995 in der ARD "Flitterabend":

Spielidee: Drei frisch verheiratete Paare spielten gegeneinander in Geschicklichkeits-, Übereinstimmungs- und Schätzspielen. Zwei Paare schieden nacheinander aus, die Sieger spielten um eine große Reise.

Persönliche Note: Die Verlierer bekamen einen Trostpreis von "Bobby Flitter" (Bruno Horn), eingeleitet von Schanzes Worten: "Verlieren ist für euch nicht bitter, denn hier kommt unser Bobby Flitter!"

Highlight: Zwischen den letzten beiden verbliebenen Paaren gab es ein Spiel, bei dem sie angeschnallt auf einer künstlichen Wolke saßen, die nach oben gefahren wurde. In der Höhe beantworteten sie Schätzfragen. Wer danebenlag, wurde herabgelassen und nach vorne gekippt. Schließlich lösten sich die Gurte, und das Verliererpaar plumpste in die Kissen.

Größter Flop/Skandal: Bräute sollten tippen, ob sich ihre Männer eine Glatze schneiden lassen würden. Die beiden, die Ja sagten, wurden tatsächlich prompt geschoren.

Wolfgang Lippert moderierte 1992/93 neun Sendungen von "Wetten, dass ...?":

Spielidee: Der in der DDR geborene Lippert löste 1992 kurzzeitig Thomas Gottschalk ab, wohl auch um nach der Wiedervereinigung dem Osten Reminiszenz zu erweisen. Er führte die Kinderwette ein.

Persönliche Note: Schwierig. Lippert blieb Vertretungsmoderator, z. B. sprang er 1991 für den erkrankten Wim Thoelke bei "Der große Preis" ein. Der Moderator mit der riesigen Brille wirkte etwas unbeholfen und konnte nie die Bühnenpräsenz zeigen wie seine Kollegen.

Highlight: Wolfgang Lippert führte für den Wetteinsatz der Saalwette ein mit Wasser gefülltes Bassin ein, in das er im Fall seiner Niederlage zur großen Freude des Publikums hineinrutschte. Gottschalk freute das Bad vor der Menge nicht. Er bezeichnete das Bassin nach seiner Rückkehr als Erblast und schaffte es bald ab.

Flop/Skandal: Nach nur neun Sendungen musste Lippert seinen Job wieder an Gottschalk abgeben, weil die Zuschauerzahlen zurückgingen.

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