Forschung : Die Jagd nach dem Virus

Seit Mitter der 90er Jahre ist der Virologe Jeffery Taubenberger dem Geheimnis der Grippe von 1918 auf der Spur. Um die Genomsequenz des Virus zu entschlüsseln, untersuchte er Proben aus dem Lungengewebe zweier Rekruten. Die Proben lagerten seit 1918 im „Armed Forces Institute of Pathology“ bei Washington. 1997 ließ Taubenberger in Alaska die Leiche einer 1918 an der Grippe gestorbenen Frau aus dem Permafrostboden ausgraben.

Es gelang ihm, das Genom zu sequenzieren – eine Sensation. Ein Rätsel ist das Virus immer noch: „Wir wissen nicht, warum gerade in der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen zehn Prozent der Kranken starben, viermal so viele wie in den anderen Altersgruppen“, sagt Taubenberger gegenüber dem Tagesspiegel. Vielleicht zerstörte das besonders funktionsfähige Immunsystem durch eine Überreaktion, einen Zytokinsturm, die Lunge. „Bewiesen ist das aber nicht“, sagt Taubenberger.

Genetisch unterscheidet sich das Virus von 1918 nur in wenigen Mutationen von der Vogelgrippe, die als Virus des Typen A Pandemien auslösen kann. Grippe-Pandemien gibt es alle 30 Jahre, die letzte war 1968 die Hongkong-Grippe. „Wir versuchen, herauszufinden, wie das Virus von 1918 auf den Menschen übergesprungen ist“. Bevor man das nicht weiß, kann man eine erneute verheerende Pandemie wie 1918 auch nicht verhindern.

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