Politik : Geschlossene Gesellschaft

Berlusconi und Aznar sind verärgert, weil sie nicht zum Berliner Irak-Gipfel eingeladen wurden

Thomas Migge[Rom]

Angeblich will er den Minigipfel selbst angeregt haben. Gut informierten Kreisen zufolge soll Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi aber auf die Nachricht des Dreiertreffens von Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Tony Blair zum Thema Irak am kommenden Samstag in Berlin erstaunt und auch verärgert reagiert haben. Er selber habe diese Begegnung gewünscht, damit sich die europäischen Partner auf eine politische Linie einigen könnten, betonte Berlusconi am Dienstagabend. Mehr sagte der Regierungschef nicht zu dem Treffen, über das er italienischen Zeitungsberichten zufolge nicht einmal offiziell informiert wurde.

Bereits die Tatsache, dass Deutschlands Außenminister Joschka Fischer, der sich am vergangenen Dienstag zu Gesprächen mit seinem italienischen Amtskollegen Franco Frattini in Rom aufgehalten hatte, die danach geplante Pressekonferenz abgesagt hatte und umgehend nach Berlin zurückgeflogen war, wurde als Zeichen einer möglichen Distanz zwischen Deutschland und Italien gewertet. Das geplante Dreiertreffen in Berlin, dessen Termin kurz zuvor bekannt geworden war, sei, so ist sich der italienische Linksdemokrat Valdo Spini sicher, „ein Zeichen dieser Distanz“.

Italienische Oppositionspolitiker meinten, die Tatsache, dass Rom über das Treffen nicht direkt informiert und Italiens Regierungschef in seiner Funktion als EU-Ratspräsident nicht eingeladen wurde, sei ein Hinweis dafür, dass Italien an außenpolitischem Gewicht verloren habe. Sie führten das auch auf die jüngsten Äußerungen Berlusconis zum italienischen Faschismus zurück. Hatte der Ministerpräsident doch behauptet, dass Benito Mussolinis Diktatur harmlos gewesen sei.

Außenminister Franco Frattini versuchte am Dienstagabend den Eindruck zu erwecken, dass Rom über das Treffen in Berlin längst Bescheid gewusst und gar kein Interesse an einer Beteiligung gehabt habe. Der Dreiergipfel, so Frattini, werde „ein absolut informelles Treffen sein, um untereinander Probleme zu lösen“.

Auch Spaniens Premierminister José Maria Aznar soll sich erstaunt gezeigt haben, nicht nach Berlin eingeladen worden zu sein. Wie die italienische Zeitung „La Repubblica“ berichtet, soll er aber anders als Berlusconi auf eine Einladung geradezu gedrängt haben. Gleichwohl wird Aznar am Samstag nicht nach Berlin kommen. Großbritanniens Premier Blair hat ihn stattdessen für kommenden Sonntag zu Gesprächen in seine Sommerresidenz eingeladen.

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