Gesellschaft : Schönbohm will Ostdeutschland missionieren

"Entbürgerlichung", "Verwahrlosung" - mit kernigen Begriffen hat sich Brandenburgs Innenminister Schönbohm zum Zustand der Gesellschaft in den neuen Ländern geäußert. Seine Lösung: das Christentum stärken. Kritik gibt es von allen Seiten - sogar von der katholischen Kirche.

Marc Mudrak
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Mehr beten? - Jörg Schönbohm ist überzeugt, dass das der Gesellschaft nicht schaden kann. -Foto: dpa

Berlin Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) löst mit seiner Forderung nach einer Wiederbelebung des Christentums in Ostdeutschland Wirbel aus. „Wir müssen besprechen, was 40 Jahre Indoktrination in der DDR bedeuten, wie wir Verwahrlosung und Entbürgerlichung verhindern können“, hatte Schönbohm am Montag der Nachrichtenagentur dpa gesagt.

Die katholische Kirche reagierte mit Zurückhaltung auf die Äußerungen des CDU-Politikers. „Wir können den Menschen den Glauben nicht verordnen“, sagte Martina Richter, Sprecherin des Erzbistums Berlin. Auch könne man nicht pauschal von Verwahrlosung in Ostdeutschland sprechen. Dennoch sei die Vermittlung christlicher Werte wichtig, sagte Richter. So könne auch radikalen Ideologien vorgebeugt werden.

Zustimmung bekam Schönbohm hingegen von den Protestanten. „Wir sind froh, dass er das Thema aufgegriffen hat“, sagte Volker Jastrzembski, Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Über Jahrzehnte hinweg habe der Staat die Entkirchlichung gefördert. Das habe nach Jastrzembskis Ansicht auch negative Auswirkungen auf die Demokratie. Allerdings sei die Mission Aufgabe der Kirchen, nicht des Staates. „Der Staat muss die Rahmenbedingungen für kirchliches Leben schaffen“, sagte Jastrzembski. Dazu gehöre der Religionsunterricht in der Schule.

"Pauschalurteil ärgert mich"

Widerspruch gab es aus der Politik. „Ideologische Vorgaben von alternden Politikern sind fehl am Platze“, kommentierte der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, in der „Leipziger Volkszeitung“ die Vorschläge des 71-jährigen Schönbohm. Zwar seien in der DDR Fehler im Umgang mit Religion gemacht worden. „Aber wir können nicht per Dekret Jugendlichen anordnen, ob sie Katholik oder Muslim werden sollen“, sagte Bartsch.

Die thüringische Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt wandte sich gegen den Vorwurf einer „Entbürgerlichung“ der neuen Länder. „Dieses Pauschalurteil ärgert mich“, sagte die Bundestagsvizepräsidentin dem Tagesspiegel. „Denn Moral gibt es auch im nichtchristlichen Umfeld.“ Als Christin wolle Göring-Eckardt die Menschen aber einladen, den Glauben zu entdecken. Dabei wende sie sich aber nicht speziell an die Ostdeutschen. 

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