Politik : Gesenkte Geschichte

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Mit perfiden Mitteln will die Koalition im Steuerstreit ihre Führung verteidigen. Die „Task Force Geschichte" im Kanzleramt präsentiert dem Regierungschef erste Ergebnisse: Das mit Neuhardenberg und der Reform-Tradition hat ja schon mal ganz gut geklappt. Wollen Sie die niedrigen Steuersätze nicht an der Schlosskirche zu Wittenberg anschlagen und dazu in die Mikrofone rufen: „Ich senke hier und kann nicht anders"? Wenn es um die letzten Rebellen in der SPD geht, empfehlen wir: „Völker hört die Signale/ auf zum letzten Gefecht!/ Die Internationale/ erkämpft das Steuerrecht." Für das eher traditionell-national orientierte Milieu haben wir da noch Wilhelm II im Angebot: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Steuersenker." Wäre das kein Satz für Sie, Herr Bundeskanzler? Sie schauen so kritisch. Oder: „Seit 5 Uhr 45 wird zurückgesenkt." Huuups, das war dann doch die falsche Schublade, die zwölf Jahre wollten wir schön auslassen. Aber danach müssten wir sofort wieder einhaken: Wir schlagen vor, Sie fordern die Opposition und die Ministerpräsidenten auf, in Karlshorst eine Kapitulationsurkunde zu unterzeichnen. Tenor: Wir geben den Widerstand gegen die Steuersenkung bedingungslos auf. Und was ist mit der Idee eines Gerichtshofs, der den Eichel wegen seiner jahrelangen Spar-Orgien endlich zur Rechenschaft zieht? Auf jeden Fall müssen Sie einen Satz rüberbringen wie: „Von deutschem Boden soll nie wieder eine Steuererhöhung ausgehen.“ Ach ja, da haben wir noch was Scharfes: „Völker der Erde, schaut auf diese Steuersätze!" Aber so toll stehen wir nach dem Vorziehen international auch wieder nicht da. Dann müssen wir eben einen berühmten Amerikaner finden, der verkündet: „Isch been ain Schdeuer-Senka." Joschka Fischer könnte in Washington doch gleich nachfragen, ob Präsident Bush nicht mal... Aber, Herr Bundeskanzler, warum gehen Sie denn schon?

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