Gesine Schwan : ''Ich brauche Stimmen aus allen Parteien''

Die designierte Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan sprach im Berliner Café Einstein über Politik und Hobbys.

Sarah Kramer

Berlin - Freitag früh im Café Einstein Unter den Linden, kurz vor halb acht. Nur eine Handvoll touristischer Frühaufsteher hat sich um diese Uhrzeit in den Szenetreffpunkt von Berliner Medien und Politik verirrt. Die zwei Asiatinnen, die im Einstein ihr Frühstück einnehmen, können wohl nur an den Fernsehkameras, grellen Scheinwerfern und den drei anwesenden Fotografen erahnen, dass das Café an diesem Morgen hohen Besuch bekommt: Gesine Schwan, designierte SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Hochschulprofessorin und noch bis zum 16. Juli Chefin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), stellt sich den Fragen von ARD-Fernsehjournalist Werner Sonne.

Putzmunter gibt sich Schwan, gut gelaunt und adrett im pinkfarbenen Blazer, schwarzer Hose, Pumps und mit obligatorischer Turmfrisur. Nein, bislang habe sich noch kein Figaro bei ihr gemeldet, ob er ihr die Haare machen dürfe, sagt Schwan. Selbst ist die Frau. Sie sitzt kerzengerade, hebt das Kinn. „Ich habe nie Probleme damit gehabt, eine Frau sein“, sagt Schwan. „Das liegt daran, dass ich aus einer ungewöhnlichen Familie komme, in der die Frauen immer genauso viel bedeutet haben wie die Männer.“

Will die 65-Jährige also deswegen Bundespräsidentin werden, weil sie die Aufgabe mindestens genauso gut erledigen kann wie ein männlicher Kollege? Das ist der Politologin Schwan zu wenig. Sie kandidiere für ein Amt, in dem man viel für die Demokratie erreichen könne, sagt sie. „Deshalb möchte ich es gerne machen.“ Dass sie bei der Wahl am 23. Mai 2009 auch auf die Stimmen der Linken angewiesen sein könnte, schiebt Schwan mit einem Lächeln beiseite. „Mein Erfolg hängt davon ab, wie viele mich aus allen Parteien wählen“, sagt sie. „Ich werde nicht bei Einzelnen betteln gehen.“ Die Wahl des Bundespräsidenten sei eine Personen- und keine Parteiwahl, betont die Professorin.

Neben den politischen Ambitionen der Gesine Schwan erfahren die Fernsehzuschauer an diesem Morgen auch einige Details aus dem Privatleben der derzeitigen Viadrina-Chefin. Sie segelt, tanzt gern, liebt Barockmusik, begleitet ihren Mann Peter Eigen am Klavier – und spielt Skat. Und sie ist nach eigenem Bekunden eine leidenschaftliche Köchin: „Am liebsten mache ich Gemüse, Salate und leichte Fischgerichte.“ Sarah Kramer

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