Gespanntes Verhältnis : Deutsch-Griechisches Jugendwerk - Linke drückt aufs Tempo

Angesichts der Krise im deutsch-griechischen Verhältnis drängt die Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Linke) beim Aufbau eines Jugendwerks für beide Länder aufs Tempo.

Das deutsch-griechische Verhältnis ist derzeit nicht spannungsfrei. Ein Jugendwerk könnte dem entgegenwirken.
Das deutsch-griechische Verhältnis ist derzeit nicht spannungsfrei. Ein Jugendwerk könnte dem entgegenwirken.Foto: AFP

Manchmal ist es ein weiter Weg, bis Völker sich versöhnen. Noch in den 50er Jahren erlebten deutsche Touristen während der Besichtigung des Eiffelturms in Paris, dass sie von Franzosen vehement und lautstark als „boches“ beschimpft wurden. So tief saß der Hass nach zwei Kriegen mit dem Nachbarland. Nicht nur kluge Staatsmänner in Paris und Bonn trugen zur Annäherung beider Nationen bei, sondern auch eine 1963 eigens dafür gegründete Organisation, nämlich das Deutsch-Französische Jugendwerk. Bis heute hat es mehr als acht Millionen junge Menschen über die Grenzen geschickt und so das ganz persönliche Verständnis für das andere Land gefördert. 

Was in den Beziehungen Deutschlands zu den ehemaligen Kriegsgegnern Frankreich und Polen längst gute Dienste leistet, soll nun auch im Verhältnis zu einem Krisenland im Süden Europas realisiert werden: Es geht um ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk (DGJW). Das zumindest sieht der Koalitionsvertrag von Union und SPD vom Dezember 2013 vor. 

Sorge vor alten Feindbildern

Zwar sind noch keine Fälle bekannt geworden, in denen in Griechenland deutsche Touristen ähnlich wie damals in Paris persönlich beschimpft wurden. Aber der gereizte und harsche Ton zwischen beiden Regierungen und die schrille Begleitmusik in den Boulevardmedien beschwören die Gefahr herauf, dass alte Feindbilder wieder aufleben und die Partnerschaft vergiften. Durch die Auswirkungen der Finanzkrise habe sich das gegenseitige Verhältnis schon jetzt enorm verschlechtert, beobachtet die Vorsitzende der Deutsch-griechischen Parlamentariergruppe, Annette Groth (Linke).

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Das Jugendwerk soll nach ihren Vorstellungen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und das gegenseitige Verstehen zu fördern. „Für uns Deutsche wäre das deutsch-griechische Jugendwerk eine sehr gute Möglichkeit, die Wunden aus der Zeit der deutschen Okkupation Griechenlands durch die Nazis aufzuarbeiten“, glaubt die Abgeordnete. Denkbar sei etwa ein Jugendaustausch zwischen den Dörfern, die von den Nazis zerstört wurden, und bundesdeutschen Jugendorganisationen. Kirchliche Jugendgruppen und auch die NaturFreunde hätten dafür schon „großes Interesse signalisiert“.

Wie wichtig beide Seiten bislang das Vorhaben nahmen, zeigte sich im vergangenen September. Da bezeugten Bundespräsident Joachim Gauck und sein griechischer Amtskollege Karolos Papoulias im Schloss Bellevue, wie das DGJW auf den Weg gebracht wurde. „Der Wert des Jugendaustauschs liegt in der persönlichen Begegnung, im persönlichen Gespräch, im Kontakt unterschiedlicher Kulturen“, sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD), als sie damals die Absichtserklärung zum Aufbau der Organisation gemeinsam mit dem griechischen Botschafter Panayotis Zografos unterzeichnete.

Linke: Deutschland sollte überlegen,

die Kosten zu übernehmen

Angesichts der krisenhaften Zuspitzung des Konflikts um das Hilfspaket für Griechenland wünscht sich die Abgeordnete Groth, dass das Jugendwerk „möglichst bald“ seine Arbeit aufnimmt. Doch wie und wann es weitergeht, ist im Moment ungewiss. Drei Millionen Euro soll jede Seite aufbringen – nicht viel Geld für den Bundeshaushalt, doch viel Geld für ein Land, das ums finanzielle Überleben ringt. „Angesichts der desolaten Finanzsituation Griechenlands hat das derzeit sicher keine Priorität“, glaubt Annette Groth – und bringt die Idee ins Spiel, dass Deutschland einen größeren Teil der Kosten übernehmen könnte.

Der deutsche Regierungsapparat richtet sich derweil auf Verzögerungen beim Aufbau des Projekts ein. Der Grund: Der Partner fällt vorläufig aus. Die neue griechische Regierung, so heißt es in Berlin, müsse sich erst sortieren und sei derzeit mit wichtigeren Fragen voll ausgelastet.

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