Geständnis im Fall Kamil Kilade : "Kein rassistisches Motiv"

Der Angeklagte im Prozess um den gewaltsamen Tod des Irakers Kamil Kilade legt ein Geständnis ab - es ist allerdings ein Geständnis gespickt mit Erinnerungslücken.

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Der Angeklagte senkt den Kopf und hebt ihn nicht, solange sein Anwalt das Geständnis vorliest. „Es tut mir sehr, sehr leid, dass durch diese Handlungen so viel Schmerz über Ihre Familie gekommen ist und das Leben Ihres Sohnes und Bruders so jäh beendet wurde“, trägt Verteidiger Rainer Wittner am Freitag für Daniel K. (29) vor. Der im Gerichtssaal sitzende Bruder des durch „diese Handlungen“ zweier Rechtsextremisten getöteten Irakers Kamil Kilade (19) blickt undurchdringlich. Die Worte berühren ihn offenkundig nicht.

Das Geständnis ist allerdings auch gespickt mit Erinnerungslücken und erklärt nur punktuell, was in der Nacht zum 24. Oktober 2010 am Willy-Brandt-Platz in Leipzig geschah. Daniel K. will von der Messerattacke des Mitangeklagten Marcus E. (33) nichts mitbekommen haben. Und E. selbst schweigt auch am zweiten Tag im Prozess am Leipziger Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft Daniel K. vor, er habe Kilade geschlagen und mit Pfefferspray angegriffen. Marcus E. soll den Iraker ebenfalls geprügelt und dann mit einem Klappmesser erstochen haben. In der Anklage wird beiden Angeklagten gefährliche Körperverletzung vorgehalten, bei Marcus E. kommt Totschlag hinzu. Im Haftbefehl vom Oktober 2010 hatte noch gemeinschaftlicher Mord gestanden, begangen aus einem ausländerfeindlichen Motiv.

So wollen auch die Anwälte der Familie wenigstens Marcus E. verurteilt sehen. Die Strafkammer hat am Freitag signalisiert, dass es trotz der Anklage so kommen könnte. Der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf folgt einem Antrag der Nebenkläger und erteilt Marcus E. den rechtlichen Hinweis, im Fall einer Verurteilung komme auch eine Strafe wegen Mordes aus niederen Beweggründen infrage. Zu Prozessbeginn sprach der Richter außerdem von Sicherungsverwahrung.

Im Geständnis behauptet Daniel K., er sei bei der Tat „nicht politisch-rassistisch motiviert“ gewesen. Doch ein Freund, der K. schon lange aus der rechten Szene kennt und kurz vor der Tat mit den Angeklagten eine Kneipentour machte, sagt dem Gericht, er habe sich „um mehrere Jahre zurückversetzt gefühlt“. Daniel K. war aggressiv, trank viel und trug Szenekleidung. Bei der Tat hörte jedoch ein Augenzeuge keine ausländerfeindlichen Parolen.

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