Politik : Gestörte Verbindung

Romano Prodi wehrt sich gegen Korruptionsvorwürfe aus Rom

Thomas Migge[Rom]

Romano Prodi ist außer sich – und sieht sich einer Rufmordkampagne ausgesetzt. Es geht um hohe Schmiergelder, die der heutige EU-Präsident sowie einige italienische Linksdemokraten 1997 erhalten haben sollen – und die Frage, wie Prodi die Vorwürfe aus dem Weg schaffen kann.

Am 8. Mai beschuldigte der Geschäftsmann Igor Marini den EU-Präsidenten und andere Politiker der Korruption. Sie hätten, so Marini, gegen die Zahlung von Schmiergeldern eine Beteiligung der italienischen Telecom an der serbischen Telekom eingefädelt. Die Italiener kauften 29 Prozent des serbischen Unternehmens für einen Preis von rund 450 Millionen Euro. Schon 2001 kam nach einem Bericht der italienischen Tageszeitung „La Repubblica” der Verdacht auf, dass diesem Geschäft mit Schmiergeldern der Serben an italienische Politiker nachgeholfen wurde.

Ein Jahr später richtete die Regierung Berlusconi eine parlamentarische Kommission ein, die Licht in das Dunkel der Affäre bringen sollte. Die Aussagen Marinis, so der Forza-Italia-Abgeordnete und Berlusconi-Anwalt Carlo Taormina, „waren das Wasser auf die Mühlen unserer Verdachtsmomente gegen Prodi und andere”. Seit Wochen nun ist Prodi in Italien im Gerede. Sein Name wird immer öfter mit einer vermuteten Korruption in Verbindung gebracht.

Montagabend schickte der Beschuldigte ein mehrseitiges Schreiben nach Rom, in dem er Punkt für Punkt seine Unschuld zu beweisen versucht. Auf den schweren Vorwurf, mit der Beteiligung an der serbischen Telefongesellschaft ein gewalttätiges Regime unterstützt zu haben, antwortet Prodi mit dem Hinweis, dass 1997 von einem kriminellen Regime in Belgrad noch nicht die Rede sein konnte. Den Vorwurf, dass die Regierung von Ministerpräsident Prodi 1997 das Geschäft in Serbien unterstützt habe, entkräftet der Beschuldigte mit dem Hinweis auf die wirtschaftliche Autonomie der Telecom Italia. Ebenfalls weist er den Vorwurf, wonach die Vorstände der Telecom Italia ausgetauscht wurden, um den Deal mit Serbien zu beschleunigen, als Unsinn zurück. Die Vorstände, so Prodi, seien lediglich ausgetauscht worden, um die Privatisierung der Telecom Italia voranzutreiben.

Carlo Taormina und die anderen Mitglieder der parlamentarischen Kommission wollen diese Antworten Prodis „prüfen“. Als erledigt betrachten sie die Angelegenheit nicht.

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