Politik : Gesucht: ein Kandidat – oder eine Kandidatin

Die Union debattiert, wer Raus Nachfolger werden soll

Albert Funk

Johannes Rau lässt die Frage offen – also spitzt sich die Debatte in der Union zu: Wer macht’s von uns, sollte der Bundespräsident der Meinung sein, eine Amtszeit sei genug? Irgendwann Ende September dürfte Rau wohl seine Entscheidung verkünden, die wohl von den Mehrheitsverhältnissen in der Bundesversammlung abhängig ist. Dort reichen die rot-grünen Stimmen derzeit nicht für eine Wiederwahl. In der CDU wird aber nicht ausgeschlossen, dass Rau die FDP-Stimmen hinter sich bringt. Die FDP hat sich offiziell allerdings noch nicht entschieden. Und daher sucht die Union.

Am Sonntag brachte Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach den früheren CDU-Chef Wolfgang Schäuble ins Gespräch. „Einer der klügsten Köpfe der Union“, so Bosbach in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, der das Land „hervorragend repräsentieren“ könne. „Ein guter Vorschlag“, hatte der Magdeburger Ministerpräsident Wolfgang Böhmer schon vor einiger Zeit gesagt, als Schäubles Name fiel. Schäuble selbst hält sich, wie alle Vorgeschlagenen, zurück. Also wie der frühere Erfurter Regierungschef Bernhard Vogel, der nach verbreiteter Meinung in der Union gerne kandidieren würde, oder der Stuttgarter Ministerpräsident Erwin Teufel, dem das auch nachgesagt wird.

Es gibt jedoch Stimmen in der Union, die eine Frau vorzögen. Gegen Rau hatte die Partei die jetzige Thüringer Ministerin Dagmar Schipanski aufgestellt. Zu denen, die damals auf die Kandidatur einer Frau gedrungen hatten, gehört der heutige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff. Schipanski, Präsidiumsmitglied der CDU, werden in der Partei heute allerdings wenig Chancen eingeräumt. Statt dessen wird häufiger Annette Schavan genannt, CDU-Vize und Stuttgarter Kultusministerin. Sie ist 48 Jahre alt, also vom traditionellen Bundespräsidentenalter weit entfernt. Doch müssen Präsidenten immer alt sein, wird in der Union gefragt.

Die Frage, ob eine Frau kandidieren sollte, rührt freilich tiefer. Manche wittern hinter den Vorschlägen für weibliche Kandidaten – auch die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth ist im Gespräch – das Wirken des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Denn wenn die Union eine Frau als Präsidentin stellen sollte, wäre es dann noch opportun, auch eine Frau fürs Kanzleramt zu stellen? So ist die Präsidentenfrage stets verbunden mit der K-Frage in der Union.

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