Politik : Gesucht: Neue Heimat für PKK-Kämpfer

Die Kurden im Nordirak wollen Öcalans Leute loswerden

Susanne Güsten[Istanbul]

Wie löst man eine Rebellenarmee auf, die nicht mehr gebraucht wird? Diese Frage stellt sich derzeit im Nordirak. Lange Jahre diente dort die türkisch-kurdische Rebellentruppe PKK den Ländern in der Region als Spielball bei Streitigkeiten gegenüber der Türkei. Spätestens seit dem Irak-Krieg ist man daran aber nicht mehr interessiert. Und jetzt wollen auch die Kurden im Nordirak, dass die PKK aus der Region verschwindet. Sie überlegen, deren Anführer ins Exil zu schicken – am besten nach Europa.

Schon seit dem Ende des Krieges diskutieren die Besatzungsmacht USA, die nordirakischen Kurden und die türkische Armee, was mit den rund 5000 PKK-Rebellen geschehen soll. Am Samstag verlautete aus Ankara, die USA und die Türkei planten einen gemeinsamen Kampf gegen die türkisch-kurdischen Rebellen. Den Guerillas ist der Fluchtweg in Richtung Westen versperrt, weil Syrien der PKK unter dem Druck der Türkei schon vor fünf Jahren die Zusammenarbeit aufkündigte. Nach Osten können sie auch nicht fliehen, weil Iran seit dem Ausbruch des Irak-Krieges sehr an verbesserten Beziehungen mit der Türkei gelegen ist. Im Norden liegt die Türkei, im Süden der restliche Irak.

Die irakischen Kurden empfinden die türkischen Kämpfer der PKK als eine Art Fremdkörper im Nachkriegs-Irak. Außerdem hat Ankara mehrere tausend Soldaten im Nordirak stationiert und will diese erst abziehen, wenn die PKK aus dem Nachbarland der Türkei verschwunden ist. Mit den PKK-Rebellen wären die nordirakischen Kurden also mit einem Schlag auch die türkischen Soldaten los. Höchst gelegen kommt ihnen deshalb das Angebot einer Teilamnestie, das Ankara der PKK unterbreiten will. Einfache PKK-Mitglieder sollen deutliche Strafnachlässe bekommen. Die Führungsriege der PKK ist von diesem Angebot ausgenommen und fordert deshalb eine volle Amnestie für die ganze PKK, miteingeschlossen den inhaftierten Anführer Abdullah Öcalan. Dessen Bruder Osman hält sich derzeit ebenfalls im Nordirak auf.

In einem europäischen Asyl für die PKK-Führung sehen die nordirakischen Kurden deshalb eine Chance, die Rebellen loszuwerden. Wenn den Anführern ein sicherer Weg aus den Bergen angeboten werde, so überlegen die irakischen Kurden, dann könne auch das „Fußvolk“ die Waffen niederlegen und von der türkischen Amnestie Gebrauch machen. Was liegt für die PKK-Führung daher näher als ein Exil in Europa, wo schon heute hunderttausende Kurden leben? In Washington und europäischen Hauptstädten – vor allem in Skandinavien – haben die nordirakischen Kurden bereits erste Sondierungsgespräche aufgenommen.

Und aus seinem türkischen Gefängnis meldete sich jetzt sogar Abdullah Öcalan mit einem Vorschlag in eigener Sache: Auch er sei bereit, die Zelle mit dem europäischen Exil zu vertauschen, schrieb der an die türkische Regierung.

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