Politik : Gesucht: Saddams Milliarden

Iraker behaupten, dass Experten auch in Deutschland nach Vermögen des Ex-Diktators fahnden. Doch hier weiß niemand davon

Ruth Ciesinger,Rolf Obertreis

Von Ruth Ciesinger

undRolf Obertreis

Gesucht werden 40 Milliarden Dollar. Diese Summe, mit der etwa ein Drittel der Schulden des Irak beglichen wäre, soll Saddam Hussein aus dem Land geschafft haben. Das behauptet Ijad Allawi, Mitglied des irakischen Regierungsrats, und er hat verkündet, dass Spezialisten in Deutschland, der Schweiz und in Japan nach dem Geld fahnden. In Deutschland weiß man an offizieller Stelle nichts davon. Die Bundesregierung wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden haben „darüber keine eigenen Erkenntnisse“. Und auch die Bundesbank hat keine neuen Informationen über irakische Konten oder gar Bankverbindungen des Ex-Diktators in Deutschland.

Es gebe keine Indizien dafür, dass Milliarden-Beträge bei deutschen Banken geparkt seien, so Bundesbank-Sprecher Wolf-Rüdiger Bengs. Bereits im April hatte die Bank mitgeteilt, dass das Vermögen der ehemaligen Regierung in Bagdad auf Konten und Depots in Deutschland umgerechnet elf Millionen Euro beträgt. Wo das Geld geparkt ist, sagt die Bundesbank nicht. Vermögen von Saddam Hussein und anderer ehemaliger Regime-Mitglieder bleiben aber weiter eingefroren. Das Geld soll später dem irakischen Entwicklungsfonds zugute kommen. Im März hatte das US-Finanzministerium bei Banken in den USA irakische Staatsgelder in Höhe von 1,74 Milliarden Dollar beschlagnahmt. Auch dieses Geld soll in den Entwicklungsfonds fließen. Ebenfalls im März waren auch Konten irakischer Stellen bei der Deutschen Bank und der Schweizer UBS aufgelöst worden.

Überhaupt gestaltet sich die Suche nach verstecktem Geld schwierig. Anfang der 90er Jahre hatte die weltweit operierende Firma Kroll Inc. nach Mitteln des Ex-Diktators gefahndet. Im Idealfall, so Michael Otto aus dem Frankfurter Büro, ist ein Konto bekannt, von dem verdächtig viele oder hohe Transaktionen ausgehen. Dies müsste von deutschen Banken auch gemeldet werden. In der Regel stützt sich ein Verdacht aber auf Personen oder Organisationen, die im Auftrag der ausländischen Regierung handeln könnten. Zwar soll Saddam Hussein solche Namen genannt haben. Die Frage ist nur, ob das stimmt. Denn am Dienstag meldete die „New York Times“ unter Berufung auf US-Regierungsbeamte, der Ex-Präsident habe keine 40 Milliarden Dollar ins Ausland geschafft. Diese Berichte seien falsch, zudem habe er keine Einzelheiten über den Verbleib des Geldes preisgegeben.

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