Gesundheit : Ärzte warnen vor Zahnersatz aus Ausland

10.07.2009 00:00 UhrVon Rainer Woratschka

Aus Kostengründen behelfen sich immer mehr Zahnärzte und Patienten mit Zahnersatz aus dem Ausland. Der Ärztelobby passt das nicht: Billig ist nicht immer gut, argumentiert sie und gibt Tipps wie sich der Preis auch im Inland dürcken lässt.

Berlin - In jedem zehnten Fall haben deutsche Dentisten im Vorjahr auf Zahnersatz-Importe zurückgegriffen, wie eine Studie von Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) ergab. 57 Prozent taten dies öfter als noch vor vier Jahren. Und 2,3 Prozent der befragten Patienten gaben an, bereits ausländischen Zahnersatz im Mund zu tragen. „Dentaltourismus“ dagegen ist nach wie vor nur eine Randerscheinung. Die Zahl derer, die sich Kronen oder Implantate im Ausland einpassen ließen, liegt bei 1,2 Prozent.

Mit ausländischem Zahnersatz sparten Patienten im Schnitt 30 bis 35 Prozent, heißt es in der Studie.

53,4 Prozent des gesamten Imports stammen aus dem Niedriglohnland China, 14,2 Prozent aus der Türkei. Doch die Ersparnis habe ihr Risiko, warnte der KZBV-Vorsitzende Jürgen Fedderwitz. „Man weiß nicht, was man sich dort einhandelt.“ Zwar gebe es bisher keine Indizien für gesundheitliche Bedenklichkeit. Doch wirklich kontrolliert, etwa auf ihren Schwermetallgehalt, würden die Materialien nicht.

Wer sich zum Einpassen ins Ausland begebe, komme sogar um 40 bis 50 Prozent günstiger weg. Allerdings benötigten Zahnersatzversorgungen oft eine ausgiebige Vor- und Nachbehandlung, betonte Fedderwitz. „Sie sind kein Quickfix, den man zwischen Balaton und Budapest im Kurzurlaub erledigen sollte.“ Wenn es nach der Rückkehr Komplikationen gebe, könnten die juristischen und finanziellen Nachteile erheblich sein. Hinzu kommt, dass es für den Zuschuss durch die Kassen immer eines Heil- und Kostenplans bedarf. Um den im Ausland seriös zu erhalten und sich danach behandeln zu lassen, müssten sich Dentaltouristen also mindestens zwei Mal dorthin begeben.

Nicht immer gehe die Rechnung auf, sagte BZÄK-Vize Dietmar Oesterreich auch an die Adresse „verschiedener Krankenkassen“. Ihr „unkritisches Bewerben und Propagieren von Auslandszahnersatz“ greife, so monierte er, in die Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient ein. Zu empfehlen sei bei jedem Heil- und Kostenplan ohnehin das Einholen einer Zweitmeinung, betonte Fedderwitz. Und damit lasse sich der Preis auch im Inland herunterhandeln. 

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