Gesundheit : Alle Länder außer Sachsen planen Pflegestützpunkte

Die bundesweit geplanten Pflegestützpunkte sollen Beratung und Pflegeleistungen verbinden. Nur Sachsen will nicht mitmachen.

Rainer Woratschka

BerlinBerlin - Mit Ausnahme von Sachsen wird es in jedem Bundesland sogenannte Pflegestützpunkte geben. Trotz anfänglicher Skepsis seien nun auch Länder wie Bayern und Hessen mit von der Partie, sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), als letztes habe sich Thüringen dafür entschieden. Pflegestützpunkte sollen Betroffenen umfassende Beratung bieten und Pflegeleistungen auch mit medizinischen und sozialen Hilfen vernetzen. Für ihre Einrichtung gibt es eine Anschubfinanzierung, die Entscheidung bleibt den Ländern überlassen.

Bundesweit sind derzeit rund 300 solcher Stützpunkte geplant. Förderfähig wären bis zu 1200. „Es hätte schneller gehen können“, meinte die Ministerin. Angesichts des anfänglichen Widerstands sei die Entwicklung aber beruhigend. Nun gehe es darum, die Anlaufstellen vor Ort weiterzuentwickeln. Wichtig seien etwa Hausarztverträge mit Pflegeheimen und die Vermittlung bezahlbarer haushaltsnaher Dienstleistungen. Mit nur ein wenig Unterstützung im Alltag lasse sich die Pflegebedürftigkeit in vielen Fällen „noch eine Zeit lang hinausschieben“. Auch bei der Hilfe für Demenzkranke in den Heimen gebe es eine erfreuliche Entwicklung, sagte die SPD-Politikerin. Inzwischen seien dort rund 5000 zusätzliche Vollzeitkräfte als „Pflegeassistenten“ eingestellt worden. Mit der Pflegereform, die Mitte 2008 in Kraft trat, bekommen Heime für jeweils 25 Demenzkranke eine zusätzliche Kraft finanziert. 10 000 solcher Stellen waren bundesweit anvisiert. Allerdings gab es den Beruf des Pflegeassistenten vorher noch nicht, die neuen Helfer mussten erst ausgebildet werden.

Wenig angenommen würden bislang jedoch die neuen Leistungen für häuslich versorgte Demenzkranke, bedauerte die Ministerin. Trotz Überlastung scheuten viele Familien davor zurück, für demente Angehörige Hilfe zu beantragen. Für die Betreuung von Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz gibt es seit der Reform bis zu 2400 Euro im Jahr – auch wenn sie nicht die Voraussetzungen für die Pflegestufe I erfüllen.

Kritik übte die Politikerin am geplanten Notensystem für Pflegeheime. Schlechte Bewertungen in zentralen Bereichen wie der medizinischen Betreuung dürften nicht einfach durch bessere Noten aus anderen Prüfbereichen ausgeglichen werden können. Zumindest müssten Defizitbereiche auf den ersten Blick ersichtlich sein – etwa durch Unterlegung mit der Alarmfarbe Rot. Rainer Woratschka

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