Gesundheit : Hausärzte drohen mit Praxisschließungen

Mit heftigen Protesten wollen sich die Hausärzte in den nächsten Wochen gegen Sparpläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) wehren.

Raimund Wilheim

Berlin - Man habe ein „eskalierendes Programm von Maßnahmen“ beschlossen, teilte der Deutsche Hausärzteverband mit. Dazu gehörten Plakataktionen, Demonstrationen sowie die umgehende Überweisung von Patienten an Fachärzte und Kliniken. Am Ende der Skala stünden auch Praxisschließungen, insbesondere in den Wahlkreisen von Koalitionspolitikern.

Erwogen werde zudem der Komplettausstieg aus dem kassenärztlichen Vertragssystem, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt. „Diese Option wird nicht nur in Bayern diskutiert, denn dieHausärzte werden in dieser rückwärtsgewandten, bürokratischen Körperschaft systematisch benachteiligt.“ Alle Landesverbände seien sich einig, „dass mit einer bundesweiten Mobilisierung Hausärzte und Patienten über den Anschlag auf die wohnortnahe hausärztliche Versorgung informiert werden sollen“. Man werde den Politikern flächendeckend „klarmachen, was die angedrohte Beseitigung der Hausarztpraxen in ihren Landkreisen, Städten und Gemeinden für die Versorgung der Patienten bedeuten würde“.

Die Proteste richten sich gegen das Vorhaben der Koalition, die erwarteten Honorarzuwächse der Hausärzte zu begrenzen. Konkret geht es dabei um sogenannte Hausarztverträge, die seit 2009 von allen Kassen angeboten werden müssen. Darin verpflichten sich die Patienten, im Krankheitsfall immer erst ihren Hausarzt aufzusuchen. Dieser wiederum wird für seine Mehrarbeit besser honoriert. Die bisher rund 20 000 teilnehmenden Ärzte erhalten nach Verbandsangaben mit bis zu 80 Euro eine mehr als doppelt so hohe Quartalspauschale pro Patient. Krankenkassen beziffern die Zusatzbelastung für 2011 auf 1,5 Milliarden Euro.

Nach Röslers Willen soll die Vergütung für diese Verträge nun dem allgemeinen Honorarniveau angepasst werden. Damit aber sei ihre Arbeit nicht mehr attraktiv, argumentieren die Hausärzte und bezichtigen den Minister der Lüge. Rösler habe versprochen, dass die Verträge in der bestehender Form für die nächsten drei Jahre erhalten blieben. raw

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