Gesundheit : Kassenpatienten droht höherer Beitragsschub

Den gesetzlich Krankenversicherten drohen im nächsten Jahr offenbar stärkere Beitragserhöhungen als bisher erwartet. Der durchschnittliche Beitragssatz könnte um bis zu 0,75 Prozentpunkte steigen.

Berlin - Der durchschnittliche Satz von heute 14,3 Prozent würde auf über 15 Prozent klettern, berichtete die "Berliner Zeitung" mit Berufung auf das Umfeld des Schätzerkreises. Die Bundesregierung veranschlagt den Zuwachs bisher auf rund 0,5 Prozentpunkte. Der Schätzerkreis selbst legte sich bei seiner jüngsten Sitzung nicht auf einen konkreten Wert fest. In dem Gremium sind Finanzexperten des Bundesgesundheitsministeriums, der Krankenkassen und des Bundesversicherungsamtes vertreten.

Dem Bericht zufolge entbrannte im Schätzerkreis ein heftiger Streit über die finanziellen Folgen der Gesundheitsreform. Während das Ministerium bei Inkrafttreten der Reform am 1. April für das Restjahr 2007 von einer Netto-Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung um 1,39 Milliarden Euro ausgeht, rechnen die Spitzenverbände der Krankenkassen hingegen mit einer Netto-Belastung von 0,45 Milliarden Euro. Zuvor hatten die Krankenkassen wiederholt darauf hingewiesen, dass im nächsten Jahr Belastungen von bis zu sieben Milliarden Euro auf sie zukommen.

Die Kassen sollen ab April 2007 direkt mit den Herstellern über Medikamenten-Abgabepreise verhandeln können. Hierdurch rechnet das Ministerium mit einer Entlastung der Krankenkassen um eine Milliarde Euro, bezogen auf das Gesamtjahr. Die Kassen selbst gehen von keiner Entlastung aus. Auch beim Ausgabenabschlag auf Fahrtkosten der Patienten, Festzuschüssen bei Rehabilitationsmaßnahmen und Einsparungen von Folgekosten für Schönheitsoperationen geht der Bund von höheren Entlastungen als die Kassen aus. Gleichzeitig rechnen die Kassen durch die Gesundheitsreform im nächsten Jahr mit höheren Aufwendungen, etwa durch die Aufnahme von Schutzimpfungen in den Leistungskatalog. (tso/AFP)

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