Politik : Gesundheit kostet die Deutschen immer mehr

Statistisches Bundesamt: Ausgaben in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen

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Berlin - Deutschland hat das drittteuerste Gesundheitssystem der Welt, dessen Kosten in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen sind – und das immer stärker direkt von den Privathaushalten finanziert wird. So lautet das Fazit der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamtes, das dessen Präsident Johann Hahlen am Mittwoch in Berlin vorstellte. Demnach wurden 2004 insgesamt 234 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben, so viel wie ein gesamter Bundeshaushalt. Davon gaben die Krankenkassen etwa 132 Milliarden Euro aus, vier Milliarden weniger als im Jahr davor. Dagegen mussten die Bürger mit gut 32 Milliarden Euro mehr als zehn Prozent mehr ausgeben als 2003. Seit 1995 ist der Anteil der privaten – also über die Versicherung hinaus zusätzlichen – Ausgaben für Gesundheit von 10 auf 14 Prozent gewachsen. Im Schnitt entfielen auf jeden Deutschen Ausgaben von 2730 Euro für die Gesundheit. Die Arbeitgeberbeiträge – und damit die Arbeitskosten – verringerten sich wegen der Gesundheitsreformen deutlich, ihr Anteil ging von 40 auf 36 Prozent am Gesamtaufkommen zurück. Hahlen wies darauf hin, dass die Gesundheitskosten „deutlich stärker“ als das Bruttoinlandsprodukt gewachsen seien. Nach den Zahlen der Statistiker dürfte die Gesundheitsreform vor zwei Jahren den stetigen Ausgabenanstieg der letzten Jahre nur kurz gebremst haben. Bereits 2005 deute sich wieder eine Zunahme der Kosten um drei Prozent an, sagte der oberste Statistiker.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) dagegen forderte im „Stern“, bei einer künftigen Gesundheitsreform eine zehnprozentige Zuzahlung bei allen Behandlungskosten zumindest für vermögendere Patienten einzuführen. Die 2004 eingeführte Praxisgebühr hat nach einem Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) nicht zu einer Dämpfung der Gesundheitskosten beigetragen.Dies wäre eher von einer Gebühr zu erwarten, die zwar geringer sei, dafür aber bei jedem Arztbesuch bezahlt werden müsste, so das Urteil der Forscher. Tsp

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