Gesundheit : Krankenkassen erwarten Beitragssteigerung

Gestern noch dementierte man die entsprechende Studie, heute bestätigen mehrere Krankenkassen die Befürchtungen: Jahresbeiträge einzelner Versicherter könnten um 700 Euro ansteigen.

BerlinDer Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen, ging zum Start des Gesundheitsfonds 2009 von einem Beitragssatz von mehr als 15 Prozent aus. "2009 wird mindestens eine 15 vor dem Komma stehen. Die meisten Mitglieder werden mehr bezahlen müssen", sagte Klusen der "Passauer Neuen Presse". Auch der Vorsitzende der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, sagte der "Bild"-Zeitung: "Aus heutiger Sicht ist ein Beitragsatz für 2009 von 15,5 Prozent realistisch." Derzeit betragen die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen im Durchschnitt 14,8 Prozent.
  
Das Bundesgesundheitsministerium hatte entsprechende Schätzungen des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik (IfG) am Montag zurückgewiesen. Es gebe keinerlei Anlass, einen Beitragssatz von 15,5 Prozent zu prognostizieren, sagte eine Ministeriumssprecherin. In der Studie für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ging das Institut davon aus, dass für mehr als 44 Millionen Mitglieder der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und damit knapp 90 Prozent aller Beitragszahler die Beiträge teilweise empfindlich steigen würden. Auf einzelne GKV-Versicherte kämen Beitragserhöhungen von bis zu 700 Euro pro Jahr zu. Verantwortlich für den Anstieg sei die Mechanik des Gesundheitsfonds.
 
Klusen ging ebenfalls davon aus, dass nur wenige Versicherte niedrigere Beiträge bezahlen müssten. Der Gesundheitsfonds und die Einführung des Risikostrukturausgleichs seien Kostentreiber. "Die Umverteilung zwischen den Kassen wird ausgeweitet. Darunter leiden Anreize, wirtschaftlich zu haushalten", sagte Klusen. Kailuweit begründete seine Einschätzung mit weiter hohen Ausgaben für die Krankenkassen. Der ab 2009 bestehende Gesundheitsfonds löse die Ausgabenprobleme der Kassen nicht, der Finanzbedarf bleibe in der Gesamtsumme bestehen. Den einheitlichen Beitrag für 2009 will die Bundesregierung im November festlegen. (mpr/AFP)

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