Politik : Gesundheit: SPD streitet über Nachbesserung

Rainer Woratschka

Berlin - Die SPD streitet über eine Nachbesserung der Gesundheitsreform. Die Krankenkassen müssten Jugendlichen bis 18 Jahren rezeptfreie Arznei wieder generell erstatten, sagte die SPD-Gesundheitsexpertin Marlies Volkmer dem Tagesspiegel. Unterstützung bekam sie von Grünen, Union und FDP. Ihr Kollege Klaus Kirschner hingegen sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“, er halte es für „unsinnig, jetzt einzelne Punkte der Reform herauszugreifen und zu verändern“. Auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) lehnt eine Änderung ab. Es gebe aber einen Prüfauftrag an den Bundesausschuss von Kassen und Ärzten, bei welchen Erkrankungen nicht- verschreibungspflichtige Arzneimittel ersetzt werden sollten.

Seit der Reform müssen Kinder rezeptfreie Medikamente ab dem 13. Lebensjahr selber bezahlen – mit der Folge, dass etwa bei vielen Allergiekranken eine Behandlung unterbleibt. Viele Eltern zahlten nötige Medikamente nicht mehr, weil die Zusatzkosten bei zwei oder drei Allergiekindern pro Saison mehrere hundert Euro betrügen, kritisierte etwa der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann.

Die Altersgrenze für die Nicht-Erstattung sei „willkürlich und durch nichts zu begründen“, sagte Volkmer. Gerade bei Allergien seien dauerhafte Therapien nötig, und die müssten allen Minderjährigen bezahlt werden – aus familienpolitischen wie medizinischen Gründen. Schließlich sei „keinem gedient, wenn sich ein unbehandelter Heuschnupfen zum Asthma auswächst“ oder Jugendliche zu verschreibungspflichtigen Kortison-Mitteln mit stärkeren Nebenwirkungen griffen.

Auch Wolfgang Zöller (CSU) sieht „Handlungsbedarf“. Einkommensschwache Familien seien überfordert, es drohten negative Auswirkungen auf den Gesundheitszustand von Kindern. Schmidts Ministerium hingegen warnte, dass eine Korrektur die Sparziele der Reform gefährde. Und die Krankenkassen befürchten Missbrauch. Es bestehe die Gefahr, dass sich Eltern etwa Erkältungsmittel auf den Namen ihrer Kinder verschreiben ließen. (mit dpa)

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