Politik : GESUNDHEITS Check (6) Wenn die Arznei zu teuer ist

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Mit der Gesundheitsreform hat sich vieles im Alltag der Patienten verändert. In loser Folge beantworten wir Fragen dazu.

Auch bei vielen rezeptpflichtigen Arzneimitteln gibt es Höchstgrenzen der Erstattung: die so genannten Festbeträge. Sie werden festgesetzt, wenn es mehrere Präparate mit vergleichbarer Qualität und Wirkung gibt. Die Krankenkasse bezahlt dann nur Medikamente bis zu diesem Betrag. Alles, was teurer ist, muss der Patient allein bezahlen. Genau 2123 Medikamente lagen Ende April über dieser Höchstgrenze – von mehr als 40 000 derzeit erhältlichen. Eine Übersicht über sämtliche Festbeträge und die betroffenen Arzneimittel findet sich im Internet unter www.dimdi.de . Verordnet der Arzt ein Medikament jenseits der Höchstgrenze, muss er den Patienten darüber informieren, dass dieser dann neben der normalen Zuzahlung (fünf bis zehn Euro je Packung) auch noch den Differenzbetrag zwischen Festbetrag und Apothekenverkaufspreis bezahlen muss. Bei dieser zweiten Zuzahlung gibt es keine Obergrenze, und sie wird auch nicht in die Ein/Zwei-Prozent-Regelung nach der Überforderungsklausel einbezogen.

Will der Patient diese Zuzahlung nicht, hat der Arzt die Möglichkeit, ein preisgünstigeres Medikament zu verschreiben. Tut er es nicht, sollte man in der Apotheke nach günstigeren Mitteln mit demselben Wirkstoff fragen. Laut Ärztezeitung hat sich nach der letzten Festbetragsaktualisierung Anfang April die Zahl der Arzneimittel, deren Preis über dem Festbetrag liegt, bereits verdoppelt. Manche freilich sind nur geringfügig teurer. Ein Trick der Pharmaindustrie , wie Florian Lanz vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen meint: Viele Versicherte bemerkten den geringfügigen Aufschlag auf ihre prozentuale Zuzahlung in der Apotheke dann gar nicht. Allerdings müsse sie der Arzt darauf ebenso aufmerksam machen wie auf die Wahlmöglichkeit. Schließlich gebe es immer genügend vergleichbare Medikamente unterhalb des Festbetrags. raw

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